Heikle Aufwertungsmission für den Yuan

27. Juli 2015, 07:04
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Die Volksrepublik will die Landeswährung über den Umweg Internationaler Währungsfonds stärken

Wien – Die zunehmenden Ambitionen Chinas in der internationalen Wirtschaftspolitik veranschaulicht derzeit ein spannendes "Projekt" der Volksrepublik beim Währungsfonds (IWF) in Washington. China möchte heuer endlich die Aufwertung seiner Landeswährung Yuan (oder Renminbi) durch den IWF erreichen. Im Oktober steht die entscheidende Sitzung beim Fonds an.

Worum geht es? Seit 1969 unterhält der IWF ein spezielles System, um Ländern im Krisen- und Bedarfsfall Devisen bereitstellen zu können. Basis dafür sind die sogenannten Sonderziehungsrechte (SZR). Sonderziehungsrechte kann man sich am ehesten als eine Art Gutschein des Währungsfonds vorstellen.

Jedes IWF-Mitgliedsland bekommt entsprechend seiner wirtschaftlichen Bedeutung eine bestimmte Menge an SZR zugeteilt. SZR sind zwar nicht am Markt handelbar, doch kann jeder Staat Sonderziehungsrechte gegen Devisen, etwa Dollar und Euro, tauschen. Wer Dollar und Euro hergibt, bekommt seinerseits eine SZR-Gutschrift. Das System soll dafür sorgen, dass es nie zu Währungsengpässen kommt. Kommt Land X in Zahlungsschwierigkeiten, kann der Währungsfonds andere Staaten sogar dazu verpflichten, ihre Währungsreserven zugunsten von X herauszugeben.

Währungskorb

Der Wert der Sonderziehungsrechte hängt von der Entwicklung eines Währungskorbes ab. Derzeit sind Dollar, Euro, Pfund und der japanische Yen Teil dieses Korbes. Diese Währungen gelten als IWF-Reservedevisen. China hätte gern den Yuan im Korb dabei. Neben dem Prestige erwartet sich Peking davon konkrete Vorteile.

Jukka Pihlman von der britischen Standard Chartered Bank meint, dass der Yuan nach einer Inklusion gefragter wäre. Für viele Notenbanken gelten strikte Veranlagungsregeln. Sie dürfen nur in Devisen investieren, die der IWF als Reservewährung führt. Wird der Yuan Teil des Währungskorbes, wäre dieses Erfordernis erfüllt. Lange galt eine Aufwertung der chinesischen Landeswährung als ausgeschlossen.

Briten unterstützend, USA skeptisch

Die USA werfen China seit Jahren vor, den Wert des Yuan künstlich niedrig zu halten. Dies hilft chinesischen Exporteuren. Doch seit 2005 hat China eine moderate Aufwertung seiner Währung gegenüber dem US-Dollar erlaubt. Im Mai attestierte der IWF, dass der Yuan nicht länger unterbewertet ist. Inzwischen hat China auch namhafte Unterstützer gefunden.

London will sich als Handelsplatz für den Yuan etablieren, weshalb die britische Regierung Chinas Antrag unterstützt. Skeptisch sind aber die USA. Zuletzt hat Finanzminister Jack Lew eine weitere Marktöffnung Chinas verlangt. Das letzte Wort hat aber ohnehin der republikanisch geführte Kongress. Die Republikaner haben zuletzt schon eine umfassende IWF-Reform blockiert, die die Administration von Präsident Obama bereits zugesagt hatte. (András Szigetvari, 27.7.2015)

  • Yuan soll neue Reservewährung beim IWF werden.

    Yuan soll neue Reservewährung beim IWF werden.

  • International dominieren die Währungsmärkte weiter Dollar und Euro.

    International dominieren die Währungsmärkte weiter Dollar und Euro.

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    foto: reuters
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