Feilschen um Verkehr bei Moschee in Vorarlberg

27. Juli 2015, 05:30
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Seit sieben Jahren wird im Bezirk Bregenz ein Gebetshaus geplant – die ÖVP sperrt sich, die FPÖ ist dafür

Bregenz – Wer in Vorarlberg eine Moschee bauen will, braucht Geduld. Sieben Jahre der Verhandlungen vergingen in Bludenz bis zum Spatenstich für die Moschee beim Bahnhof. In Hörbranz (Bezirk Bregenz) wird ebenso seit 2008 an einem neuen Gebets- und Vereinshaus für die muslimische Gemeinde des Leiblachtals geplant. Aktueller Stand der Dinge: Das vor der Gemeindewahl im April eingereichte Projekt wurde mit einer Bausperre belegt.

Nun wurde das Projekt redimensioniert und mit mehr Parkplätzen ausgestattet. Denn das Hauptargument gegen den Moscheebau ist das befürchtete Verkehrsaufkommen. Bedenken gegen die Moschee des seit mehr als 20 Jahren in Hörbranz beheimateten Atib-Vereins kommen vor allem aus der Volkspartei – die gesamte Opposition, inklusive FPÖ, ist für den Neubau des Gebetshauses.

Moderne Architektur

Wie in Bludenz soll auch das Hörbranzer Gebets- und Vereinshaus den Ansprüchen moderner Vorarlberger Architektur entsprechen. Atib-Obmann Duran Cansever: "Wir möchten keinen Streit in der Gemeinde. Deshalb wollen wir so bauen, dass es in das Ortsbild passt. Das Gebäude muss aber auch für unsere Bedürfnisse funktionieren." Man verzichte bewusst auf Kuppel oder Minarett. Im Herbst soll das Projekt endgültig stehen, sagt Cansever, denn "gut Ding braucht eben Weile". Bürgermeister Karl Hehle war nicht zu einer Stellungnahme bereit.

Wie Gemeinde und Bauwerber kooperieren können, zeigen Rankweil (Bez. Feldkirch) und die Bosniakisch-Muslimische Gemeinschaft Vorarlberg. Als bekannt wurde, dass die bosnischen Muslime in Rankweil ein Gebetshaus errichten wollen, involvierte die Gemeinde die Gemeinwesenstelle "Mitanand" als Prozessbegleiter.

Josef Gojo von Mitanand: "Unsere Aufgabe war, Widerstand mit guter Information und offener Kommunikation zu begegnen." Ängste und Sorgen der Nachbarn, die sich vor allem um Lärm und Verkehr drehten, wurden ernst genommen. Gojo: "Durch die Gespräche wurden Gegner zu Befürwortern." Freilich bedürfe es dazu der Bereitschaft der Bauwerber. "Der Verein hat sehr geschickt gehandelt, indem er ein Gebäude planen ließ, das nicht wie eine klassische Moschee aussieht." (Jutta Berger, 27.7.2015)

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