Islamgesetz: Glaubensgemeinschaft nun mit Gesetz zufrieden

26. Juli 2015, 16:06
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Sanac: Türkische Imame könnten über Stiftungen bezahlt werden

Wien – Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Fuat Sanac, zeigt sich versöhnt mit der Regierung. "Ende gut, alles gut", sagte er im APA-Interview zum mittlerweile in Kraft getretenen und vor dem Beschluss noch bekämpften Islamgesetz. So gebe es Möglichkeiten, türkische Imame über Stiftungen im Inland zu bezahlen. Kritik übt Sanac am Umgang mit Flüchtlingen in Österreich.

Man habe mehrere "Pannen" erlebt, resümiert Sanac die turbulente Zeit nach der Vorstellung des Islamgesetzes durch die Regierung. Dies sei ausgerechnet geschehen, als sich der IGGiÖ-Präsident auf Pilgerfahrt befunden habe – "das war nicht so vereinbart". Eigentlich hätte die Glaubensgemeinschaft mehr Zeit benötigt, sämtliche Regelungen intern zu besprechen und um über die Gesetzesinitiative abzustimmen. "Das kostete viel Nerven und viel Zeit um alles zu erklären", so Sanac, der sich nun aber versöhnlich gibt, denn: "Wir können mit Stolz sagen, dass der Islam nirgends wo wie in Österreich derartig von der Republik geschützt wird."

Vieles noch geändert

Viele Paragrafen im Islamgesetz seien auch noch bis zum Beschluss hin geändert worden, betont Sanac. Allerdings nicht jener zum Verbot der Auslandsfinanzierung von Imamen, aber: "Dafür gibt es so viele Lösungen. Dieser Paragraf sagt nicht, dass es verboten ist. Dieser Paragraf sagt, diese Gelder müssen über eine Stiftung fließen." Der IGGiÖ-Präsident versteht auch steuerliche Intentionen hinter dieser Regelung. "Österreich sagt, diese Imame dürfen von der Türkei bezahlt werden, aber nicht in der Türkei bezahlt werden. Das ist der große Unterschied."

Klar ist Sanac auch, dass die Regierung mit dem Auslandsfinanzierungs-Verbot Transparenz hinsichtlich möglicher radikaler Gruppierungen schaffen wollte. "Der Staat ist vorsichtig geworden und hat gesagt, wir müssen diese Gelder deklarieren. Das ist doch logisch", meint er. Dennoch wehrt sich der IGGiÖ-Präsident gegen allzu großer Hysterie bezüglich einer möglichen Bedrohung durch Islamisten: "Das sind maximal fünf Kumpel. Und durch Medien machen sie so viel Krach." Stattdessen solle die Politik in die Zukunft der Muslime investieren. "Das sind vergängliche Ereignisse", meint er zu Terrororganisationen wie der IS. Die Menschheit hat immer wieder Diktatoren erlebt und sie sind jetzt alle weg."

Wiederantritt offen

Auch selbst arbeitet Sanac an der Zukunft seiner Glaubensgemeinschaft. Ob er nochmals dieses Amt antreten wird, weiß er noch nicht. "Die Verbände sagen, Sie müssen noch eine Periode bleiben, weil sie alles besser wissen. Dann können Sie jemanden eine stabile Glaubensgemeinschaft überlassen", so der Präsident, aber: "Es ist eine schwierige und undankbare Aufgabe." Der Rückhalt dürfte nun wieder stärker sein als noch vor Monaten, als Sanac wegen des Islamgesetzes unter Beschuss geraten war. Mit internen Kritikern habe man sich wieder versöhnt, wenn auch manches hängen geblieben sei. "Vergeben ist eine Sache, aber ich kann es nicht vergessen, weil sie so viele Unwahrheiten über mich erzählt haben", so Sanac.

Bis Ende des Jahres hat die IGGiÖ Zeit, ihre Verfassung an das neue Islamgesetz anzupassen – was auch zu Änderungen im Wahlrecht führen dürfte. Im Oktober des kommenden Jahres werde die Spitze gewählt, voraussichtlich aber nicht mehr per Mitglieder-Votum. "Mit der Wahl haben wir sehr, sehr schlechte Erfahrungen gemacht", so Sanac. Künftig sollten die Verbände direkt Vertreter in den Schura-Rat, dem Parlament der Glaubensgemeinschaft, entsenden, denn: "Wir wollen jetzt die Leute wählen, die etwas zu sagen haben."

Was die türkische Liste betrifft, die bei der Wien-Wahl antreten möchte, will sich Sanac nicht eindeutig äußern. "Die Religionsgemeinschaften dürfen sich nicht in Politik einmischen", meint er dazu, auch wenn er laut eigener Aussage die handelnden Personen seit Jahren gut kennt. Nur so viel: "Wir leben in einem demokratischen Land und es ist erlaubt zu machen." Wichtig sei, dass Muslime und Migranten im Wahlkampf nicht schikaniert würden.

Kritik übt der IGGiÖ-Präsident an der Asylpolitik des Landes. "Es gibt Flüchtlinge, die seit zehn Jahren hier leben, aber immer noch nicht arbeiten dürfen", meint er. Die Verfahren würden zu langsam laufen, die Asylwerber seien "wirklich im Gefängnis". Auch, dass Flüchtlinge im Freien oder in Zelten übernachten müssen, versteht Sanac nicht. "Es stehen viele Häuser leer. Wenn man will, gibt es genug Möglichkeiten." Wenn es um Wahlen geht, präsentiere sich Österreich nämlich anders: "Dann heißt es, wir sind die besten und reichsten in manchen Bereichen." (APA, 26.7.2015)

  • Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Fuat Sanac, versteht die Regierung
    foto: apa/roland schlager

    Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Fuat Sanac, versteht die Regierung

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