Mehr als 140 Tote bei Luftangriff von Saudi-Allianz im Jemen

26. Juli 2015, 16:40
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Unter den Opfern befinden sich vor allem Zivilisten – Angeblich Bruder von Chef der Houthi-Rebellen gefangen genommen

Sanaa – Beim bisher tödlichsten Luftangriff des von Saudi-Arabien geführten Militärbündnisses gegen die schiitischen Houthi-Rebellen sind im Jemen mindestens 141 Menschen getötet worden. Weitere 200 Menschen wurden bei den etwa elf schweren Bombardements am Samstag auf die Hafenstadt Mokha (Mocha) im Südjemen verletzt, wie lokale medizinische Helfer und Rettungskräfte am Sonntag berichteten.

Demnach wurden außer einem Elektrizitätswerk auch Wohngegenden getroffen. Deshalb seien unter den Opfern vor allem Zivilisten – unter ihnen Frauen und Kinder, sagten die Helfer. Wegen des kritischen Zustandes vieler Verletzter werde mit einer steigenden Zahl von Todesopfern gerechnet.

Bombardement seit Ende März

Der Angriff auf Mokha ist das schwerste Bombardement seit dem Beginn der Luftschläge Ende März. Einige Beobachter werten eine vom saudischen Bündnis am Samstag einseitig angekündigte humanitäre Feuerpause als Versuch, um von dem verheerenden Ausmaß des Angriffs abzulenken.

Im Jemen kämpfen seit mehreren Monaten schiitische Houthi-Rebellen mit ihren Verbündeten gegen Anhänger des sunnitischen Exilpräsidenten Abd-Rabbu Mansour Hadi.

Laut einer Twitter-Nachricht der Militärallianz ist ein Anführer der aufständischen Houthi-Rebellen gefangen genommen worden. Es handle sich um Abdul-Khaliq Al-Houthi, hieß es in der Nachricht. Er soll der Bruder von Houthi-Chef Abdul-Malek Al-Houthi sein. Zunächst war es nicht möglich, dies unabhängig zu bestätigen. Houthi-Vertreter waren zunächst für eine Stellungnahme nicht erreichbar

Abdul-Khaliq Al-Houthi spielte bei der Einnahme der jemenitischen Hauptstadt Sanaa im September eine wesentliche Rolle. Er gehört zu den Houthis, die vom UNO-Sicherheitsrat im November 2014 auf die schwarze Liste gesetzt wurden.

Die Militärallianz wollte am Sonntag eine Minute vor Mitternacht (22.59 Uhr MESZ) die Bombardierung des Jemen für fünf Tage einseitig einstellen, um humanitäre Hilfe in dem zerrütteten Land zuzulassen. Der geflüchtete Präsident Hadi soll um die Waffenruhe gebeten haben. Die Luftangriffe auf Ziele in der Nähe von Sanaa wurden aber im Vorfeld fortgesetzt.

Die Houthi-Rebellen haben eine Waffenruhe jedoch abgelehnt. "Die Waffenruhe ist abgelehnt", erklärte der Rebellenchef Abdul-Malek al-Houthi am Sonntag per Kurzbotschaftendienst Twitter. Der Waffenstillstand sei von dem "saudi-arabischen Aggressor" verlangt worden, der eine Pause nur wolle, um noch mehr Kämpfer in der südlichen Stadt Aden mobilisieren zu können.

Laut Anrainern wurde unter anderem ein Militärlager bombardiert. Lokalen Medien zufolge wurden bei einem Bombardement der zentraljemenitischen Stadt Tais zudem 150 Menschen verletzt. Der UNO-Gesandte für den Jemen, Ismail Ould Kheikh Ahmed, hatte noch am Samstag angekündigt, in die saudi-arabische Hauptstadt Riad zu reisen, um einen "umfassenden Waffenstillstand" mit allen Konfliktparteien zu erreichen. Erst vor zwei Wochen war eine von den Vereinten Nationen vermittelte Feuerpause gescheitert – Bombardements und Gefechte gingen fast unvermindert weiter.

Vergangene Woche hatten Milizen Aden, die zweitgrößte Stadt des Landes, zurückerobert und den Houthis damit eine schwere Niederlage zugefügt. Angesichts der eroberten Gebiete wird über eine Rückkehr Hadis in den Jemen spekuliert. Seine Regierung soll bereits vergangene Woche zurück nach Aden gereist sein.

Land vor Kollaps

Durch die Kämpfe und Luftangriffe im bitterarmen Jemen steht das Land seit Wochen kurz vor dem Kollaps. Nahrung, Medizin und Treibstoff sind knapp. Erste Seuchen breiten sich aus. Nur wenige Hilfsgüter gelangten bisher in das Land, in dem nach UNO-Angaben 80 Prozent der Bevölkerung infolge der Kämpfe auf Hilfe angewiesen sind. Seit März sind nach UNO-Angaben mehr als 3.000 Menschen wegen des Konflikts gestorben – über die Hälfte von ihnen waren Zivilisten.

Der saudi-arabische König Salman ist unterdessen am Samstag mit einer Gefolgschaft aus Hunderten Personen in seinem Anwesen in Vallauris an der Cote d'Azur zum Urlaub eingetroffen. (APA, 26.7.2015)

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