Novomatic steigt bei Casinos Austria ein

26. Juli 2015, 11:38
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Novomatic will seine Beteiligung an den Casinos Austria gleich weiter ausbauen

Wien/Gumpoldskirchen – Der Glücksspielkonzern Novomatic steigt bei den Casinos Austria ein. Der Konzern sei mit seinen Angeboten an die privaten Aktionäre schon weit vorangekommen, berichtete der "Kurier" am Samstag. Demnach wolle die Raiffeisen-Gruppe das Angebot von Novomatic annehmen. Auch die MTB Privatstiftung von Theresia Babler mit 16,8 Prozent "dürfte schon unterschrieben haben".

Mittlerweile ist das auch bestätigt: Novomatic habe für die Beteiligungen der MTB Privatstiftung (16,8 Prozent) und der Leipnik-Lundenburger Invest (indirekt 11,34 Prozent) verbindliche Angebote gelegt, die angenommen wurden, teilte der Konzern am Sonntag in einer Aussendung mit.

Der Abschluss der beiden Transaktionen erfolge "vorbehaltlich diverser öffentlich-rechtlicher und gesellschaftsrechtlicher Genehmigungen sowie formaler Zustimmungserfordernisse". Über den jeweiligen Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden. Zusammen hat sich der niederösterreichische Glücksspielriese damit 28,14 Prozent an den Casinos gesichert.

Novomatic will mehr

Novomatic will seine Beteiligung an den Casinos Austria gleich weiter ausbauen. "Sollten weitere Anteile zu einem angemessenen Preis angeboten werden, ist Novomatic an einem Erwerb interessiert", heißt es in der Aussendung.

Der Generaldirektor der Leipnik-Lundenburger Invest Beteiligungs AG (LLI), Josef Pröll, zeigt sich in einer Aussendung zufrieden mit dem Deal. Der Verkauf der Casinos-Anteile sei ein "konsequenter weiterer Schritt der Strukturbereinigung der LLI". Künftig wolle sich das Unternehmen strategisch auf klar umrissene Geschäftsfelder und Märkte im Agrar- und Lebensmittelbereich konzentrieren.

Die LLI hat ihre Beteiligung an den Casinos indirekt, indem sie rund 29,6 Prozent an der Medial Beteiligungs GmbH hält, die wiederum als Aktionär mit 38,3 Prozent an den Casinos beteiligt ist. Weitere Anteile an der Medial halten die UNIQA (29,6 Prozent), das Bankhaus Schelhammer & Schattera (10,8 Prozent) und die Vienna Insurance Group (29,6 Prozent).

Einkaufen in die Medial

Novomatic muss sich für den Deal also in die Medial einkaufen: Die LLI habe ein verbindliches Angebot der Novomatic zur Übernahme ihrer rund 29,6 Prozent Geschäftsanteile an der Medial (entspricht einer indirekten Beteiligung an der Casinos Austria AG von 11,34 Prozent) angenommen. Ein entsprechender Vertrag wurde vorbehaltlich diverser öffentlich-rechtlicher und gesellschaftsrechtlicher Genehmigungen sowie formaler Zustimmungserfordernisse unterschrieben, so die LLI.

"Mit diesen Transaktionen können wir nun als solider österreichischer Partner mit internationalem Know-how Teil einer nachhaltigen Aktionärsstruktur der Casinos Austria AG werden", kommentiert Novomatic-Vorstandsvorsitzender Harald Neumann den Deal.

Wertsteigerung

Die Österreichische Bundes- und Industriebeteiligungen GmbH (Öbib), die den Drittel-Staatsanteil an der Casag hält, sieht in einer Vereinfachung der Eigentümerstruktur eine Wertsteigerung. Indirekt wird damit der Einstieg der Novomatic in die Casinos eher begrüßt.

"Eine Vereinfachung der Eigentümerstruktur wäre ganz im Sinne der Öbib." Wie die endgültige Eigentümerstruktur aussehen werde, sei jedoch wegen der aufrechten Vorkaufsrechte der Syndikatspartner noch nicht absehbar, betonte die Chefin der Staatsholding, Martha Oberndorfer, am Sonntag in einer Aussendung.

Ziel der Öbib sei es, den Wert ihrer Anteile zu erhalten und zu steigern. Nachdem es im März 2015 durch die Äußerung der Verkaufsabsicht eines Syndikatspartners der Casag zur Auslösung von Vorkaufsrechten und Fristen innerhalb des Syndikates gekommen ist, habe die Öbib den Erwerb weiterer Anteile geprüft und ein Angebot auf Basis von zwei unabhängigen Wertgutachten gelegt. "Die nun gebotenen und deutlich höheren Kaufpreise wären für die Öbib aufgrund ihrer öffentlichen Verantwortung und Sorgfaltspflicht sowie mangels einer rechtlichen Grundlage für die Zahlung einer Prämie nicht darstellbar gewesen", teilte die Staatsholding mit. Die Novomatic hat also die Öbib deutlich überboten.

Öbib prüft Einstieg

Die Bewertung des Marktes habe bereits zu einer Wertsteigerung der Casag und somit auch der von der Öbib gehaltenen Anteile geführt. "Die Öbib wird auch in Zukunft, unabhängig von möglichen strategischen Partnern, wesentlichen Einfluss ausüben. Ob die Öbib selbst in die Angebote einsteigt, wird in den nächsten Wochen geprüft", heißt es in der Aussendung.

Hintergrund des komplexen Prozesses ist ein Syndikat, in dem die Casinos-Eigentümer verbunden sind. Die Miteigentümer haben gegenseitige Vorkaufsrechte. Die Öbib hatte selber den Miteigentümern ein Angebot gemacht, war allerdings abgeblitzt. Ein Wertgutachten hatte 406 Millionen Euro für die ganze Casag ergeben, die Öbib hatte zu 350 Millionen Euro angeboten, hieß es. An den Casinos hält die Republik Österreich über die staatliche Beteiligungsholding Öbib 33,24 Prozent. (APA, 26.7.2015)

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    grafik: apa
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