Mattersburg meisterte den Meister

26. Juli 2015, 17:44
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Aufsteiger Mattersburg eröffnete die Bundesligasaison mit einem überraschenden 2:1-Sieg über den angereisten Titelverteidiger aus Salzburg

Mattersburg – Die am Samstag gestartete Bundesligasaison wurde stilecht mit der Bundeshymne auf den Weg geschickt. Und zwar ordentlich, in der höchst offiziellen Rauch-Kallat'schen Singvariante, deren inhaltliche Brillanz sich ein wenig schlägt mit einer Art rhythmischem Etepetete, was beim Gabalier der alten Schule exakt umgekehrt daherkommt.

Und während auf den Tribünen noch das diesbezügliche Für und Wider abgewogen wurde, hat Markus Pink der neuen Saison gleich einmal den Marsch geblasen. Es war die 16. Sekunde, und der Aufsteiger führte gegen den Meister 1:0 – schneller Einwurf, rasche Weiterleitung, wunderbarer Heber, trockener Torschuss.

In Gedanken woanders

Ballesterisch holperte das Versmaß auch bei den Roten Bullen. Nach dem frühen Tor erst recht. "Da hatten wir Probleme", so danach Trainer Peter Zeidler, "unseren Rhythmus zu finden. Einzelne Spieler waren auch noch nicht richtig da."

Den Eindruck haben allerdings nicht nur Einzelne erweckt. Die Roten Bullen wirkten insgesamt ein wenig so, als wären sie in Gedanken ganz woanders. Nicht in Mattersburg jedenfalls. Vielleicht bei Malmö, gegen die es am Mittwoch daheim im Hinspiel schon um die Champions League geht.

So aber wird das wohl nichts werden. Das sah auch der Spanier Jonatan Soriano, von dem in Mattersburg ein wunderbarer Freistoß an die Latte zu sehen war und sonst eigentlich nicht sehr viel. "Da muss von allen mehr kommen", nimmt der Kapitän sich und die Seinen für Mittwoch in die Pflicht.

Tugenden des Vorjahres

Wobei das ballesterische Licht der Burgenländer keinesfalls unter den Scheffel gestellt werden sollte. Die im Vorjahr entdeckten Tugenden – schnelle Kombinationen, abgestimmte Lauf- und Aktionswege, taktische Variationen und entsprechende Disziplin – kam nun auch in der obersten Liga als Spielfreude herüber, in der geläufig zwischen Vorwärts- und Rückwärtsgang geschaltet und darin gewaltet werden konnte.

In der im Defensivfall mit fünf Mann agierenden Abwehr, vor der mit dem Spanier Jano ein spielender Sechser darauf lauerte, den Konter zu eröffnen, liefen die Salzburger sich ein ums andere Mal fest.

Erst in der 83. Minute gelang es Keita, dem ansonsten durchaus tadellosen Mattersburg-Goalie Markus Kuster den Ball aus den Händen und weiter zum Ausgleich zu spitzeln. Zehn Minuten später stellte der eingewechselte Alexander Ibser mithilfe des Salzburger Innenverteidigers Miranda mit einem sehenswerten Außenristschlenzer den Endstand her.

"Sehr gut geklappt"

Mattersburg-Kapitän Patrick Farkas, dessen Pass die Steilvorlage für das 2:1 wurde, blieb beschieden. Der Sieg sei glücklich, nicht verdient. Peter Zeidler, der den SVM ja auch als Liefering-Coach bespielte, widersprach. Mattersburg habe eine "kämpferische und taktische Superleistung" geboten. Ja, meinte Ivica Vastic, der unter den Pappeln zum Trainer gewachsen ist, "heute hat es sehr gut geklappt".

Jedenfalls, so sah das auch SVM-Chef Martin Pucher, ist das Pappelstadion wieder eine allererste Fußballadresse geworden. Und mehr wollte man an der Wulka ja ohnehin nie sein. (Wolfgang Weisgram, 26.7.2015)

Fußball-tipico-Bundesliga (1. Runde):

SV Mattersburg – Red Bull Salzburg 2:1 (1:0)
Mattersburg, Pappelstadion, 8.500 Zuschauer, SR Lechner

Tore:
1:0 ( 1.) Pink
1:1 (83.) Keita
2:1 (93.) Ibser

Mattersburg: Kuster – Malic, Mahrer, Prietl – Farkas, Sprangler, Jano, Novak (86. Höller) – Perlak (72. Grgic) – Onisiwo, Pink (64. Ibser)

Salzburg: C. Stankovic – Schmitz, Miranda, Hinteregger, Ulmer – Keita, Laimer (46. Berisha) – Reyna (46. Minamino), Atanga – Djuricin (70. Oberlin), Soriano

Gelbe Karten: Sprangler bzw. Schmitz

  • Umfallen im Burgenland.
    foto: apa/herbert p. oczeret

    Umfallen im Burgenland.

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