Froome rollt im Gelben Trikot nach Paris

25. Juli 2015, 16:47
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Kolumbianer Nairo Quintana konnte auf der spektakulären und legendären Etappe nach L'Alpe d'Huez nicht genug Rückstand aufholen um den zweiten Gesamtsieg des Briten bei der Tour de France zu verhindern

L'Alpe d'Huez – Christopher Froome wankte, steht nach der letzten Bergankunft der Tour de France aber praktisch als Gesamtsieger fest. Nairo Quintana versuchte als Gesamt-Zweiter auf der 20. Etappe von Modane nach L'Alpe d'Huez (110 km) nochmals alles, vermochte den Rückstand aber nur etwa zu halbieren. Die letzten 109 km am Sonntag werden bei einem Vorsprung von 1:12 Minuten für Froome zu einer Triumphfahrt.

Der 30-jährige Profi des Teams Sky kämpfte sich 1:26 Minuten hinter dem Tages-Zweiten Quintana als Fünfter ins Ziel der fünften und letzten Bergankunft der 102. Tour-Auflage. Trotz Problemen im Schlussanstieg fixierte Froome seinen zweiten Gesamterfolg nach 2013. "Es war heute sehr schwierig, aber im Ziel sind die Emotionen nun unbeschreiblich. Es ist ein Traum, im Gelben Trikot anzukommen", jubelte der designierte Tour-Gewinner.

Froomes Bedenken

In die Siegerliste nach dem klassischen, 13,8 km langen Anstieg über 23 Kehren trug sich in 1.850 m Höhe der Franzose Thibaut Pinot, der Gesamtdritte von 2014, ein. "Das ist die schönste Etappe, die man gewinnen kann", freute sich der 25-Jährige nach seinem zweiten Tour-Erfolg nach 2012. Quintana wurde mit 18 Sekunden Rückstand Etappenzweiter und wird die Tour auf den Pariser Champs Elysees am Sonntagabend (ca 19.00 Uhr MESZ) auch wie 2013 als Gesamtzweiter beenden. Vor zwei Jahren hatte er 4:20 Minuten Rückstand auf Froome gehabt.

Unterwegs habe er durchaus Bedenken gehabt, gab Froome zu. "Aber meine Teamkollegen waren bis ins Ziel wunderbar. Nairo ist sehr stark, die Zukunft gehört ihm. Aber nächstes Jahr wird es noch ein schönes Match geben." Richie Porte (Etappen-7.) und Wouter Poels (9.) hatten ihren Chef in der schwierigen Phase im Finish tatkräftig unterstützt. Am Ende stand der in Kenia geborene Froome als strahlender Gewinner da, neben dem Gelben Trikot übernahm er am Vorabend der Zielankunft auch das gepunktete des besten Bergfahrers. Der 25-jährige Quintana ist bester Jungprofi.

Pinot klettert

Pinot rettete aus einer Ausreißergruppe seinen Vorsprung ins Ziel, der heranstürmende Ex-Giro-Gewinner Quintana muss weiter auf seinen ersten Tour-Etappensieg warten. Er müsse früh attackieren, hatte sich Quintana aufgrund der Erfahrungen vergangener Tage vorgenommen. Gesagt, getan. Doch dem Col de la Croix de Fer (2.067 m), der ersten der zwei Bergwertungen der höchsten Kategorie, verliefen seine zwei Angriffe noch im Sand. Wouter Poels konterte für seinen Kapitän Froome.

So blieb dem Kletter-Spezialisten, dem heuer das Fehlen eines langen Einzelzeitfahrens entgegenkam, nur noch der epische Schlussanstieg. Bald nach Beginn griff der 59 kg leichte Athlet erneut an und zog gemeinsam mit seinem Movistar-Kollegen Alejandro Valverde (ESP), dem Gesamt-Dritten, davon. Während Valverde wieder zurückfiel und Etappen-Vierter wurde, ward Quintana von den Rivalen nicht mehr gesehen. "Ich habe alles gegeben", sagte der Giro-Gewinner von 2014. Doch Froome blieb ein Einbruch erspart und er hielt den Rückstand in Grenzen.

Rückblick

Als entscheidend erwiesen sich im Rückblick die 2. und die 10. Etappe. Auf der Fahrt nach Zeeland (Niederlande) hatte Quintana bei starkem Wind 1:28 Minuten eingebüßt (56.) und bei Froomes einzigem Tagessieg in La-Pierre-Saint-Martin in den Pyrenäen lag er als Dritter 1:04 Minuten zurück. "Ich habe die Tour in der ersten Woche verloren", sagte denn auch Quintana. "Allein gegen den Wind, das hat mich die Tour gekostet. Aber ich bin mit dem zweiten Platz zufrieden."

Vorjahrssieger Vincenzo Nibali, der am Vortag bei einem Defekt Froomes angegriffen hatte und zum Tagessieg in La Toussuire geklettert war, hatte zu Beginn des Schlussanstiegs diesmal selbst technische Probleme und verlor so wie Giro-Gewinner Alberto Contador (ESP) den Anschluss an die kleine Gruppe der Gesamt-Besten. Der Italiener behielt jedoch den vierten Rang (+8:36) vor Contador (9:48). (APA, 25.7.2015)

20. Etappe (Modane – L'Alpe d'Huez/110,5 km): 1. Thibaut Pinot (FRA) FdJeux 3:17:21 Stunden – 2. Nairo Quintana (COL) Movistar 0:18 Min. zurück – 3. Ryder Hesjedal (CAN) Cannondale 0:41 – 4. Alejandro Valverde (ESP) 1:38 – 5. Christopher Froome (GBR) Sky, gleiche Zeit – 6. Pierre Rolland (FRA) Europcar 1:41 – 7. Richie Porte (AUS) Sky 2:11 – 8. Winner Anacona (COL) Movistar 2:32 – 9. Wouter Poels (NED) Sky 2:50 – 10. Ruben Plaza (ESP) Lampre, gleiche Zeit. Weiter: 14. Bauke Mollema (NED) Trek 3:30 – 15. Vincenzo Nibali (ITA) Astana – 16. Alberto Contador (ESP) Tinkoff – 18. Romain Bardet (FRA) AG2R – 20. Robert Gesink (NED) Lotto NL, alle gleiche Zeit – 23. Mathias Frank (SUI) IAM 4:38 – 112. Georg Preidler (AUT) Giant 21:19 – 123. Marco Haller (AUT) Katjuscha, gleiche Zeit – 160. Matthias Brändle (AUT) IAM 23:57

Gesamtwertung: 1. Froome 81:56:33 Std. – 2. Quintana +1:12 Min. – 3. Valverde 5:25 – 4. Nibali 8:36 – 5. Contador 9:48 – 6. Gesink 10:47 – 7. Mollema 15:14 – 8. Frank 15:39 – 9. Bardet 16:00 – 10. Rolland 17:30 – 87. Preidler 3:14:14 Std. – 126. Haller 3:59:04 – 156. Brändle 4:37:36

  • Christopher Froome hat den zweiten Gesamtsieg bei der Tour de France in der Tasche.
    foto: ap/ laurent cipriani

    Christopher Froome hat den zweiten Gesamtsieg bei der Tour de France in der Tasche.

  • In Gelb fühlt man sich wohl.
    foto: apa/epa/kim ludbrook

    In Gelb fühlt man sich wohl.

  • Nairo Quintana hielt die Spannung.
    foto: reuters/tessier

    Nairo Quintana hielt die Spannung.

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