Sommerleiden

24. Juli 2015, 17:33
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Ich mein, ich will ja nichts sagen. Aber ... Ich habe ja nichts gegen Sonnenschein. Ich habe auch nichts gegen blauen Himmel, gegen goldgebräunte Schultern, gegen Sommersprossen. Aber so geht’s bitte schön auch nicht! Wir werden von Sonnentagen überflutet! Geröstet! Von goldbraun sonnengeküsst zu brathendlorange karamellisiert! Das Hirn verdampft in Schweißströmen auf der Stirne, die Haare kleben nach fünf Minuten, als hätte man es darauf abgesehen, diese Frau, die den Haarnichtwaschweltrekord aufgestellt hat, noch zu übertrumpfen. Die Knöchel schwellen auf Elefantenmaße, die T-Shirts geben die Flüssigkeitshaushaltsführung des Körpers öffentlich preis. Die städtischen Verkehrsmittel mutieren zur Offenbarung zwischen in Unmengen versprühter zitroniger Duftungetüme und offenherziger Noten der Marke Eigenerzeugung.

Ist man eine Frau und schminkt man sich, hat man nach einer halben Stunde einen Jackson Pollock im Gesicht. Das passiert eigentlich auch, wenn man ein Mann ist und sich schminkt. Die wasserfesten Produkte kleistern zwar verlässlich zu bis zum nächsten Morgen – und dann darüber hinaus. Zumindest, wenn man nicht die passenden Abschminkprodukte hat. In diesem Fall kein Jackson Pollock, sondern mehr Gerhard Richter, seitwärts verwischt. Um ein Buch fertigzustellen, muss man in Kaffeehäuser mit Klimaanlage fliehen, wo man sich dann eine Erkältung zuzieht, die einem während der so tropischen wie schlaflosen Nächte im aufgehitzten Eigenheim dann noch als zusätzlicher Schicksalshohn erscheint. Des Tages flieht man im Zickzack dem Schatten nach, als wäre man Hauptdarsteller in einem Science-Fiction-Film, der unbewohnbare Wüstenplaneten zum Inhalt hat. Das Leintuch wird vor dem Schlafengehen im ausgeräumten Eisfach gelagert und das Eis aus dem Eisfach im Bauch. So oder so: Das Leben ist ein heißer Feger. Ein wenig Coolness täte im Augenblick nicht schaden. (Julya Rabinowich, 24.7.2015)

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