Politik im Sommer

Einserkastl24. Juli 2015, 17:19
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Die politische Kultur verliert immer mehr an Qualität

Die Momente in den ORF-Sommergesprächen, die in Erinnerung blieben: Jörg Haider nennt vor mehr als einem Vierteljahrhundert Österreich ein "Missgeburt, eine ideologische Missgeburt". Diese Art von Deutschnationalismus und Liebe zu einem irrealen Großdeutschland war schon in dem Moment furchtbar gestrig. Heute ist sie vorbei. Heute sehnen sich die Rechten Europas begeistert nach dem autoritären Russland-Modell.

Dann wird's schon dünner. Die Gelsen, die den damaligen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und seinen Interviewer umschwirrten. Schüssel ignorierte sie wie die Sanktionen der EU gegen Schwarz-Blau.

War die von Gedankenflucht gekennzeichnete Selbstimplosion Frank Stronachs eigentlich in einem Sommergespräch oder doch in einer Vorwahldiskussion oder in der ZiB 2? Egal, es war Surrealismus und ein Hinweis darauf, dass die politische Kultur immer mehr an Qualität verliert.

Die Fortsetzung kam dann letztes Jahr mit einer "Wutoma", die einen persönlichen Verdruss mit der Steuerbehörde in eine flammende Anklage gegen das ganze System verwandeln konnte. Das kommt dabei heraus, wenn man in Medien glaubt, die Einbeziehung von "echtem Volk" sei ein Ersatz für kritischen Journalismus.

Übrigens: Politiker(innen) reden in der scheinbar entspannten Atmosphäre der Sommergespräche auch nicht viel anders als sonst auch. (Hans Rauscher, 24.7.2015)

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