Antonio Fian: Wahlkampfauftakt

24. Juli 2015, 17:29
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Juli 2015. Donauinsel

(Menschen liegen matt in der Sonne. Ein Funktionär der Freiheitlichen Partei – blaue Badehose, blauer Schal – tritt zu einem älteren Ehepaar.)

DER FUNKTIONÄR: Heiß, gell?

DER MANN: Das können Sie laut sagen.

DER FUNKTIONÄR: Und alles wegen diesen Asylanten. Die kommen aus heißen Gegenden, und damit sie sich bei uns ja wohlfühlen, wird so ein Wetter gemacht.

DIE FRAU: Wie meinen Sie das, gemacht?

DER FUNKTIONÄR: Na, von der Regierung. Auf Anordnung der EU natürlich. Weil gesteuert wird alles zentral von Brüssel aus.

DER MANN: Siehst du, das sage ich auch immer.

DER FUNKTIONÄR: Asylanten gemütlich in Zelten sitzen, unsre Leut' auf der Donauinsel schwitzen. Aber nicht mehr lang, wenn erst Heinz-Christian Strache nimmt in die Hand die Sache.

(Der Himmel hat sich verfinstert. Ein Donnerschlag. Regen fällt, der nach wenigen Augenblicken in Hagel übergeht. Das Ehepaar flüchtet, der Funktionär mit ihnen. Sie erreichen einen Unterstand.)

DER FUNKTIONÄR: Furchtbar, nicht, einmal Hitze, dann wieder Hagel. Und alles wegen diesen Asylanten. Die kommen aus Kriegsgebieten, direkt aus dem Bombenhagel, die sind an sowas natürlich gewöhnt. Dadurch haben sie einen Vorteil gegen uns bei diesem Wetter und nehmen unsren Leuten die Arbeitsplätze weg. Und was tut die Regierung? Kuschen und abkassieren.

DER MANN: Genau das sage ich auch.

DER FUNKTIONÄR: Asylanten gemütlich in Zelten pennen, unsere Leut' vorm Hagel wegrennen. Aber nicht mehr lang, wenn erst Heinz-Christian Strache nimmt in die Hand die Sache. Drum: Dass Sie uns wählen, darauf ich zähle!

(Er schüttelt den beiden die Hände und verlässt den Unterstand.

Vorhang)

(Antonio Fian, 24.7.2015)

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