Neuer Herpes-Zoster-Impfstoff soll besser wirken

24. Juli 2015, 12:54
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Die Schutzrate beträgt 97 Prozent, eine Impfung ist vor allem zur Vermeidung der Schmerzkomplikationen der "Gürtelrose" sinnvoll

Seit 2007 gibt es eine Impfung gegen die Gürtelrose, die seit 2008 in Österreich allen gesunden Menschen ab 50 empfohlen wird. Doch die verwendete Vakzine hat bei älteren Menschen eine geringere Wirksamkeit. Eine neue Impfung soll laut den Experten vom Department für Virologie der Med-Uni Wien 97 Prozent Schutzrate bringen.

Die Gürtelrose-Erreger sind die Feuchtblattern-Viren (Varizella-Zoster-Virus, VZV), die sich nach der ersten Infektion in Nervenzellen für immer ansiedeln und im Falle einer Schwächung des Immunsystems wieder auftauchen können. "Die Reaktivierung des 'Wildvirus' kann zur Manifestation eines Herpes Zoster führen", schrieben jetzt Claudia Honsig und Theresia Popow-Kraupp in der Virusepidemiologischen Information.

30.000 Neuerkrankungen

In Österreich erkranken Schätzungen zufolge jährlich etwa 30.000 Personen an einem Herpes Zoster, mehr als die Hälfte dieser Patienten ist über 60 Jahre alt. Mit zunehmendem Alter nehmen die Häufigkeit und auch die Schwere des Krankheitsverlaufes zu. Gefürchtet sind vor allem lang anhaltende Nervenschmerzen (postherpetische Neuralgie), die nur sehr schwer behandelt werden können.

Die bisherige Impfung kann die Häufigkeit des Herpes Zoster um etwa 50 Prozent und die der postherpetischen Neuralgie um zwei Drittel verringern. Allerdings nehme die Wirksamkeit mit zunehmendem Lebensalter ab (von 69,8 Prozent bei Personen von 50 bis 59 Jahren auf nur 37,6 Prozent bei Personen über 70 Jahre), erklärten die Expertinnen. Das es sich um eine Lebendimpfung handelt, kann sie auch nicht bei Immungeschwächten angewendet werden, die auf der anderen Seite wiederum vermehrt an Herpes Zoster erkranken.

"Eine neue Impfung könnte diese Lücken nun schließen", schreiben die Expertinnen. Im "New England Journal of Medicine" sei vor kurzem eine Wirksamkeitsstudie mit einer Vakzine auf der Basis von Spalt-Antigenen, also ohne abgeschwächtes Lebendvirus veröffentlicht worden. Sie enthält ein Glykoprotein des Virus (Glykolprotein E) und ein Adjuvans.

Große Studie

Diese Vakzine wurde in einer großen und per Placebo-Gruppe kontrollierten Wirksamkeitsstudie in 18 Staaten in Europa, Amerika, Asien und Australien erprobt. Es wurden zwischen August 2010 und Juli 2011 mehr als 15.000 Probanden eingeschlossen, die im Abstand von zwei Monaten entweder jeweils eine Dosis des Impfstoffes (7.344 Personen) oder eines Placebos erhielten (7.415 Personen).

Während einer mittleren Follow-up-Zeit von 3,2 Jahren wurde bei 216 Teilnehmern ein Herpes Zoster diagnostiziert: 210 davon waren in der Placebo- und nur sechs in der Verumgruppe. Die Impfung hat somit im Vergleich mit dem Placebo eine Wirksamkeit von 97.2 Prozent, einen Herpes Zoster zu verhindern, wie die Forscherinnen berichten.

"Die Wirksamkeit nimmt darüber hinaus – im Unterschied zum (...) Lebendimpfstoff – mit zunehmendem Lebensalter nicht ab", sagten die Virologinnen weiter. Sie lag in allen Altersgruppen über 50 bei zwischen 96,6 und 97,9 Prozent. Auch die Anwendung bei Immungeschwächten ist möglich, weil in der Vakzine ja kein abgeschwächtes Lebendvirus enthalten ist. (APA, 24.7.2015)

  • Seit 2007 gibt es eine Impfung gegen die Gürtelrose, die in Österreich allen gesunden Menschen über 50 empfohlen wird.
    foto: apa/dpa/lukas schulze

    Seit 2007 gibt es eine Impfung gegen die Gürtelrose, die in Österreich allen gesunden Menschen über 50 empfohlen wird.

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