Der warme Geruch des Sommerasphalts

24. Juli 2015, 17:00
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Wie ich einmal fast den Darwin Award gewann

Heute eine Geschichte und zwei Tipps für die Leserinnen und Leser. Die Geschichte: Vergangene Woche fuhr ich mit dem Rad in die Arbeit. Auf dem Weg kam mir eine Stofftasche, die ich an die Lenkstange gehängt hatte, in die Speichen, das Fahrrad blieb stehen wie ein Bock, ich wurde kopfüber über die Lenkstange auf den Asphalt geschleudert.

Die Engländer nennen das einen "header". Der Header ist eine Sturzart, mit der man ohne weiteres den Darwin Award für einen besonders dummen selbstverschuldeten Tod gewinnen kann. Ich kam mit blutendem Gesicht und schmerzendem Mund auf dem Asphalt zu liegen, eine Minute lang, vielleicht auch zwei oder drei.

Sommerasphalt riecht wunderbar, warm, herbsüß, würzig. Das Einzige, was meinen Genuss trübte, war der Gedanke, dass ich von nun an keinen Zahn zum Beißen mehr im Mund haben würde. Ich hatte mich getäuscht. Meine Zähne sind, bis auf einen Sprung, intakt. Dafür habe ich mir beide Arme gebrochen.

Im AKH wurde ich von den Ärzten und dem medizinischen Personal zu meiner vollen Zufriedenheit geröntgt, computertomografiert, eingegipst und einbandagiert. Die Leute leisten Tolles dort, das muss auch noch einmal gesagt werden, ehe ihnen die Politik die Mittel entzieht.

Zum Glück ist der Bruch an meinem rechten Arm so geringfügig, dass er nur bandagiert werden musste. Ein wenig Bewegungsfreiheit ist mir geblieben. Ich kann selbstständig essen, trinken, mich anziehen und die wichtigsten hygienischen Pflichten verrichten. In einer lästigen Lage bin ich dennoch. Alles dauert dreimal so lange wie gewohnt. Unter dem Gips hat es gefühlte fünfzig Grad Celsius. Es juckt dort ganz gerne, und das Sich-Kratzen mit Stricknadeln ist kompliziert und lächerlich. Der einzige Vorteil meiner Situation ist, dass ich mühelos in einer Fortsetzung von Die Mumie die Hauptrolle spielen könnte.

Hier die zwei Tipps. Erstens: Hängen Sie nie eine Tasche an die Lenkstange des Fahrrads. Zweitens: Wenn sie vorhaben, sich beide Arme zu brechen, machen sie das sukzessive: erst den einen brechen, ausheilen lassen, dann erst den anderen brechen. Man ist so glücklich, wenn man im Falle einer Armverletzung noch einen Ersatzarm zur Verfügung hat (oder hätte). Ihr Krisenkolumnist versichert Ihnen das. Aus eigener, schmerzlicher Erfahrung. (Christoph Winder, Album, 24.7.2015)

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