Studie: Fleischesser neigen stärker zu Vorurteilen als Vegetarier

24. Juli 2015, 12:40
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Deutsches Forschungsteam erhebt die Daten von 1.400 Personen und liest daraus eine klare Tendenz ab

Mainz – Dieses Ergebnis dürfte Fleischessern aufstoßen: Menschen, die Fleisch und andere tierische Produkte konsumieren, neigen im Schnitt eher zu Vorurteilen als vegetarisch bzw. vegan Lebende. Außerdem befürworten sie innerhalb von Gruppen eher autoritäre Strukturen und Hierarchien. So lauten jedenfalls Ergebnisse einer deutschen Studie, die in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "British Food Journal" veröffentlicht wurden.

Die Studie hat den Trend zu pflanzlicher Ernährung unter gesamtgesellschaftlichen Aspekten untersucht, wie die Universität Mainz berichtet. Die Forschungsfragen lauteten: Gibt es Zusammenhänge zwischen den Ernährungsgewohnheiten eines Menschen und den Einstellungen dieser Person gegenüber anderen Menschen? Haben Menschen, die Fleisch und tierische Produkte konsumieren, mehr Vorurteile gegenüber anderen sozialen Gruppen und Minderheiten als Vegetarier oder Veganer? Wie ausgeprägt ist ihr autoritäres und hierarchieorientiertes Denken?

Methode und Sample

Unter der Leitung der Mainzer Forscherin Susanne Singer und der Psychologin Petra Veser von der Universität Wuppertal wurden Daten von rund 1.400 Personen im Alter von 12 bis 86 Jahren hinsichtlich deren Ernährungsgewohnheiten und sozialen Einstellungen erhoben. Die von den Studienteilnehmern angegebene Ernährungsweise wurde einer der drei Ernährungsformen zugeordnet: omnivor, vegetarisch, vegan.

Jeweils ein Drittel der Befragten ernährte sich omnivor (35 Prozent), vegetarisch (31 Prozent) beziehungsweise vegan (34 Prozent). Die hohe Zahl von Vegetariern und Veganern entspricht nicht der realen Verteilung in der Bevölkerung. Die Forscher waren bemüht, besonders viele Vegetarier und Veganer zur Teilnahme zu gewinnen, um auch von diesen Gruppen statistisch verlässliche Aussagen zu erhalten.

Thema Vorurteile

Die Ergebnisse lauten wie folgt: Menschen, die sich omnivor ernähren, also sowohl Getreide, Gemüse und Obst als auch Fleisch, Fisch, Milch und Eier verzehren, weisen im Vergleich zu Vegetariern und Veganern eine höhere Neigung zu Vorurteilen auf. Bei Männern war der Unterschied deutlicher zu sehen als bei Frauen. Singer dazu: "Wir haben in unserer Studie gesehen, dass ältere Personen generell mehr dazu neigen, Vorurteile gegenüber anderen Personen zu haben. In allen Altersgruppen gab es aber einen Unterschied zwischen Vegetariern, Veganern und Omnivoren, das heißt die Ernährungsweise hing, unabhängig vom Alter, mit der Einstellung gegenüber anderen Personen zusammen.“

Veser, die die Befragungen durchführte, ergänzt: "Nach der Definition von Gordon Allport bedeutet eine solche Neigung zu Vorurteilen, dass diese Personen dazu tendieren, von anderen ohne ausreichende Begründung schlecht zu denken. Zumindest haben sich diese Studienteilnehmer in dieser Weise selbst beschrieben“.

Autoritäre Neigungen

Außerdem befürworten Omnivore der Studie zufolge eher autoritäre Strukturen, als Vegetarier und Veganer dies tun. Veser interpretiert dies so: "Menschen, die sich vegan oder vegetarisch ernähren, halten offenbar nicht so stark an Althergebrachtem fest, außerdem bevorzugen sie häufiger gleichwertige Beziehungen gegenüber hierarchischen.“

Auch dieser Unterschied war bei den Männern ausgeprägter als bei den Frauen, außerdem bewerteten ältere Studienteilnehmer Hierarchien und autoritäre Strukturen in der Gesellschaft positiver als die Jüngeren. Dennoch zeigten laut Singer alle Altersgruppen dieselbe Tendenz, was den Unterschied zwischen Fleischessern und Fleischverweigerern anbelangt. (red, 24. 7. 2015)

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