Honda Forza 125: A flottes Achterl

27. Juli 2015, 16:18
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Hondas neuer Luxusliner in der Achtelliterklasse hat mehr auf dem Kasten, als man ihm auf den ersten Blick zutraut. Geräumig, sparsam und agil ist er. Billig ist er aber nicht.

Der Radarkasten auf der Süd-Ost-Tangente, gleich nach dem Verteilerkreis Favoriten, war für uns anscheinend der unausgesprochene Initiationspunkt des fliegenden Starts. Beide rissen wir mit todesverachtender Kühnheit, keinen Kappelständer fürchtend, den Gasgriff bis zum Anschlag auf. Bei mir waren das vielleicht noch zwei Millimeter. Bei ihm wird es auch nicht viel mehr gewesen sein. Bei Tempo Achtzig haben unsere Roller ihre Sportlichkeit zum guten Teil schon gegen Angestrengtheit getauscht. Er saß auf einer GTS-Vespa – hoffen wir für ihn, dass es keine 300er war – so genau habe ich in der Hitze des Gefechts nicht geschaut. Denn die meiste Leistung, die von der GTS beim Beschleunigen freigesetzt wurde, brauchte anscheinend der Akrapovic zum stimmungsvollen Atmen.

Aixamörderische Beschleunigung

Seine Vespa war laut, litt schlingernd unter dem schlechten Asphalt und biss dabei ganz fürchterlich gegen meinen 125er Honda-Test-Roller ab. Auch wenn wir uns bei einem Beschleunigungsrennen duellierten, bei dem höchstens noch einem Aixamfahrer ein fasziniertes Lächeln auskommt, das Ergebnis war eindeutig. Der kleine Honda-Roller ist schneller. fährt sich mit dem 15-Zöller vorne und dem 14-Zoll-Reifen hinten sichtlich angenehmer, ist herrlich leise und dabei auch noch effizienter als die größere Italienerin. Der 15 PS starke Honda Forza 125 hat was drauf. 120 km/h nämlich, als ich vor dem nächsten Radarkasten den Gasgriff wieder um zwei Bachblüten zu mache. Erst später, mit mehr Anlauf, wird der Tacho kurz vor der 130 km/h-Markierung den Hut drauf hauen.

Die Vespa schließt nicht mehr auf. Der zugegeben wenig windschlüpfrige Pilot reiht sich ein Auto hinter mir ein. Vermutlich schaut er jetzt so blöd, wie ich unlängst bei der Ampel. Gerade weit genug weg, dass ich den Roller nicht mehr zu A zurückschieben wollte, und zu B nicht hin, stirbt er mir ab. Während sich das Hirn mit der Findung von Schimpfworten und der Suche nach einem hübschen Graben, in den man das Gefährt treten könnte beschäftigt, bleibt nur wenig zusätzliche Rechenleistung. Etwa für die Erinnerung, dass Honda auf der Forza 125 ja sein Start-Stopp-System Idling Stop verbaut hat. Der Forza ist also nicht tot, sondern kann ein Kunststück.

No bug, a feature

Es reicht eh der kleinste Dreh am Gasgriff und die Lichtmaschine wirft das Achterl wieder an. Honda ist eh schon für seinen Perfektionismus bekannt, der manchmal sogar so weit geht, dass die emotionale Aufladung der Produkte darunter leidet. Nicht so beim Forza. Der ist mit weniger als drei Liter Verbrauch sehr sparsam, er ist effizient, leicht zu fahren und nach dem S-Wing wieder ein Luxusroller im 125er-Segment. Was er nicht ist, das ist billig. 4.890 Euro ruft Honda derzeit für den Forza aus. Viel Geld für einen 125er-Scooter. Um etwa den gleichen Betrag bekommt man auch eine Vespa GTS 250ie. Aber gerade in dem Vergleich fällt jetzt auf, dass es ein fairer Preis ist, für einen Roller mit neuester Technik – vom Antrieb bis hin zur LED-Beleuchtung –, der mit 48 Liter Stauraum unter der Sitzbank Platz für zwei Helme bietet, und über die 12-Volt-Buchse das Handy lädt oder das Navi mit Strom versorgt.

Sogar richtig fesch ist er geworden, der Forza. Italienisch würd ich fast sagen. Also jetzt nicht so, dass er der Vespa in diesem Punkt gefährlich werden könnte – rein optisch ist man mit der Italienerin immer Sieger. Aber trotzdem. Elegant, sportlich, schnittig. Passt herrlich nach Wien, Rom, Paris, Graz, Amsterdam, Barcelona …

Der Eindruck, der Forza wäre auf den europäischen Markt hin maßgeschneidert kommt aber eh nicht von ungefähr. Der Forza ist ein europäischer Roller. Er wird im Werk in Italien gebaut und auch nur in Europa verkauft. In Österreich werden wir bald mehr davon sehen. Denn hierzulande sind Honda-Roller recht beliebt. In der 125er-Verkaufsstatistik des ersten Quartals 2015 liegt Honda auf Platz zwei. Diesmal gleich hinter der Vespa. (Guido Gluschitsch, 27.07.2015)

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Honda

Vespa

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

  • Honda bringt mit dem Forza wieder einen Edelroller im 125er-Segment.
    honda

    Honda bringt mit dem Forza wieder einen Edelroller im 125er-Segment.

  • Die Armaturen sind auch bei direkter Sonneneinstrahlung gut lesbar.
    honda

    Die Armaturen sind auch bei direkter Sonneneinstrahlung gut lesbar.

  • Zwei Helme passen unter die Sitzbank.
    honda

    Zwei Helme passen unter die Sitzbank.

  • Der Forza leuchtet mit LED-Scheinwerfern.
    honda

    Der Forza leuchtet mit LED-Scheinwerfern.

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