Salzburger Messebrösel

24. Juli 2015, 17:23
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Keine Festspiele ohne die obligate(n) Kunstmesse(n) als Rahmenprogramm

Tatort: Salzburg. Anlass: Festspiele. Egal, mit welchem Aufwand inszeniert, Kunstmessen bleiben dort stets nur ein Appendix, wie die Erfahrung lehrt. Von manchen konsequent ignoriert, für andere eine willkommene Abwechslung, das ist zu Ostern nicht anders als im Hochsommer. Dennoch steht die Stadt an der Salzach bei Kunsthändlern an der Spitze der Beliebtheitsskala: der potenziellen kaufkräftigen internationalen Klien tel wegen.

So weit die Theorie, die in der Praxis Messeveranstalter auf den Plan ruft, die auch auf ein Stück des lukrativen Kuchens hoffen. In der Vergangenheit bilanzierte solche allerdings eher in der Bröselsektion. Mit einem blauen Auge kam etwa Bruce Lamarche, Initiator der "Salzburg World Fine Art Fair" (2007–2008), davon. Den teilweise aus Frankreich angereisten Händlern hatte er gigantische Geschäfte avisiert, die Realität war freilich eine andere.

Auch im Folgejahr blieb der Run aus. 2009 übernahm Wolfgang Pelz die Regie, der seither unter "Art Salzburg" firmierenden Messe. Obwohl sich der wirtschaftliche Erfolg fortan in Grenzen hielt, blieben die mehrheitlich aus Österreich kommenden Teilnehmer hartnäckig optimistisch.

Gemischtwarensortiment

Der Haken dieses Standortes: Die kaufkräftige Lokalbevölkerung flüchtet vor dem Festspiel-Brimborium in den Urlaub, die Gäste bei steigenden Temperaturen wiederum an die Seeufer im Umland. Selbst für Tagestouristen eignet sich die Messe nur bedingt, der Poller-Umzäunung der Altstadt sei Dank. Dennoch scheint das Geschäft zumindest so viel abzuwerfen, dass weiteres Engagement lohnt.

Für Wolfgang Pelz hat sich dieses Kapitel erledigt: aus Kapazitätsgründen, da die Vorbereitungen zu der von ihm heuer erst- mals ausgerichteten Viennafair (8.–11. 10.) alle Ressourcen benötige, wie er sagt. Gerüchteweise soll die zuletzt von ihm ausgerichtete "Art Salzburg" nicht ohne Querelen abgelaufen sein. Sie fand nicht wie sonst in der erzbischöflichen Residenz, sondern in einer mobilen Zelthalle im Universitätshof statt. Beim Aufbau waren prompt einzelne Steinplatten kaputtgegangen. Pelz winkt ab: kein Drama, nur ein klassischer Versicherungsfall.

Dazu hatten sich einige Aussteller immer wieder über das Angebot mancher Kollegen echauffiert, das zunehmend in Richtung Gemischtwarensortiment ausgefranst war und insgesamt einen fragwürdigen Gesamteindruck vermittelte. Insofern entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass ein Grüppchen dieser kritischen Kunsthändler rund um Thomas Salis nun just unter der etablierten, aber eben wenig elitären Messemarke "Art Salzburg" einen Neubeginn postulieren.

Dazu werden sich neben Salis (Salzburg) Wienerroither & Kohlbacher, die Galerie Ruberl und Johannes Faber (alle Wien) sowie Beck & Eggeling (Düsseldorf) vom 8. bis 23. August mit einem Schwerpunkt auf qualitätsvolle Kunst des 20. Jahrhunderts in der Sala terrena der Universität einquartieren. Das breiter ausgelegte Sortiment finden Interessierte wiederum im Innenhof der Residenz, wo heuer erstmals die als Event getarnte "Art & Antique" vom 15. bis 23. August in einem klimatisierten Zelt ihr Debüt gibt. (kron, Album, 24.7.2015)

  • Geizt nicht mit ihren Reizen: um 1910 schuf Egon Schiele diese Gouache einer Sitzenden mit Hut.
    foto: w&k wien, new york

    Geizt nicht mit ihren Reizen: um 1910 schuf Egon Schiele diese Gouache einer Sitzenden mit Hut.

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