Cholesterinsenker dürften Thromboserisiko bei Krebspatienten senken

24. Juli 2015, 11:29
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Thrombosen stellen die zweithäufigste Todesursache bei Krebspatienten dar – eine Studie aus Wien legt nahe, dass Statine vorbeugend wirken könnten

Mit einer relativ einfachen medikamentösen Vorsorgemaßnahme könnten eventuell bei Krebspatienten häufig auftretende, gefährliche venöse Thromboembolien verhindert werden. Experten der MedUni Wien haben Hinweise dafür gesammelt, dass die klassischen Cholesterinsenker ("Statine") einen solchen Effekt haben.

Im Rahmen von Karzinomerkrankungen kommt es auch zu potenziell gefährlichen Veränderungen in der Blutgerinnung. Das Blut neigt vermehrt zu Bildung von Thromben. In manchen Fällen treten tiefe Beinvenenthrombosen oder Lungenembolien erst im Rahmen von diagnostizierten Krebserkrankungen auf. Vor allem Pulmonalembolien, also solche in der Lunge, können zu einer tödlichen Gefahr werden.

Große Studie

Zu diesem Thema führte die MedUni Wien eine Studie durch, die nun im Fachjournal "Thrombosis Research" erschienen ist. Es handelte sich um eine Untersuchung, in die 1.434 Patienten mit neu diagnostizierter Krebserkrankung oder mit einem neu diagnostiziertem Rückfall nach einer Erstbehandlung aufgenommen wurde. Sie wurden zwei Jahre lang beobachtet.

Ausgangspunkt war die bereits belegte Tatsache, dass Nicht-Krebskranke, wenn sie solche Cholesterinsenker einnehmen, ein geringeres Thromboembolie-Risiko als Personen ohne die Medikamente haben. Ob das auch auf Krebspatienten zutrifft, das wollten die Wissenschafter mit der Untersuchung klären.

Bei Aufnahme in die Studie schluckten 170 Krebspatienten (zwölf Prozent) ein Statin zur Cholesterinsenkung. 96 der Erkrankten nahmen regelmäßig Simvastatin, 48 hingegen die Substanz Atorvastatin. Die Hauptergebnisse: Innerhalb eines Jahres erlitten drei Prozent Prozent der Karzinompatienten eine Thrombose, wenn sie auch einen Cholesterinsenker einnahmen, innerhalb von zwei Jahren 3,5 Prozent.

Unter den Patienten, welche keine Statine einnahmen, lag die Häufigkeit von diagnostizierten thromboembolischen Ereignissen innerhalb eines Jahres bei sieben Prozent, im Zeitraum von 24 Monaten bei acht Prozent.

Zusammenhang wahrscheinlich

"Diese Beobachtungsstudie deutet auf einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Statinen und einem geringen Risiko für venöse Thromboembolien hin", schrieben die Autoren. Ob man bei Krebspatienten mit den Cholesterinsenkern aktiv eine medikamentöse Thrombose-Prophylaxe durchführen kann, muss aber erst in entsprechenden weiteren klinischen Studien gezeigt werden.

Die Wiener Wissenschafter betreiben seit mehr als zehn Jahren die sogenannte "Vienna Cancer and Thrombosis Study" (CATS). In deren Rahmen soll der Zusammenhang zwischen Krebs und solchen Blutgerinnungsstörungen aufgeklärt werden. Vor zwei Jahren ergab sich aus den Forschungen beispielsweise, dass Krebspatienten mit Krampfadern noch einmal ein doppelt so hohes Thromboembolie-Risiko im Vergleich zu Karzinomkranken ohne Krampfadern aufweisen. (APA, 24.7.2015)

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