Flüchtlinge in Wiener Neustadt mit Softairwaffen beschossen

24. Juli 2015, 10:08
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Drei Verdächtige ausgeforscht

Wiener Neustadt – In Wiener Neustadt sind am Donnerstagabend sieben Flüchtlinge aus einem fahrenden Pkw heraus mit Softguns beschossen worden. Vier Verdächtige wurden ausgeforscht. Ihre Befragung war am Freitag im Gang, sagte Erich Habitzl, Sprecher der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt. Die Asylwerber trugen u.a. Schwellungen davon und wurden im Spital ambulant behandelt.

Der Vorfall – der nicht der erste war – ereignete sich um 22.37 Uhr beim Kreisverkehr nahe des Technologiezentrums Civitas Nova. Bei den Verdächtigen handelt es sich laut Habitzl um junge Männer (18 bis 20 Jahre) aus Wiener Neustadt und Umgebung. Sie sollen bereits in der vorangegangenen Nacht – um 1.00 Uhr – in derselben Gegend einen Motorradfahrer anvisiert und getroffen haben, der jedoch unverletzt blieb. Die Waffen beschrieb der Staatsanwalt als Softgun-Maschinenpistolen mit Plastik-Geschossen.

Motiv für Attacke noch unbekannt

Nicht bekannt war zunächst, ob diese Attacke ausländerfeindlich motiviert war. Das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung führe Ermittlungen, sagte der Staatsanwalt.

Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) hat die Schüsse jedenfalls scharf verurteilt: "Diese Menschen sind vor Krieg und Terror geflohen, um bei uns Schutz zu finden. Umso erschütternder ist es, wenn es nun zu solchen Verbrechen gegen sie kommt", erklärte sie in einer Stellungnahme gegenüber der APA.

Die Innenministerin appellierte an alle Seiten, sich zu mäßigen. Es sei aufs Schärfste zu verurteilen, "wenn vom rechten Rand Neid und Hass gegen die Kriegsflüchtlinge geschürt wird, der zu solchen Eskalationen führt". Gleichzeitig nahm Mikl-Leitner aber auch "die linken Aktivisten" in die Pflicht, die Flüchtlinge in Traiskirchen nicht für ihren Aktionismus zu missbrauchen.

Grüne: "Versagen in der Flüchtlingspolitik"

In einer Aussendung zeigte sich die Grüne Abgeordnete Tanja Windbüchler-Souschill "entsetzt über diese gewalttätigen Anschläge auf Schutzsuchende" in ihrer Heimatstadt. "Das Versagen in der Flüchtlingspolitik, die unmenschliche Versorgung von Schutzsuchenden und das politische Hick-Hack von SPÖ und ÖVP bedingen diese Gewalt", forderte die Grün-Politikerin "umgehenden Schutz für die Flüchtlinge und eine menschenrechtsbasierte Flüchtlingspolitik". Sie erwarte von Bürgermeister Klaus Schneeberger (ÖVP) die Einsetzung eines Krisenstabs. Es brauche Sicherheitsvorkehrungen auf dem Gelände.

Als vor fünf Wochen 250 Flüchtlinge in der Arena Nova als Außenstelle des Erstaufnahmezentrums Traiskirchen untergebracht wurden, sei es zu einer Welle der Solidarität und Spendenbereitschaft gekommen. Freiwillige würden die Flüchtlinge unterstützen, das Rote Kreuz betreue sie ehrenamtlich rund um die Uhr, hielt Windbüchler fest, dass Flüchtlinge keine Feinde, sondern Schutzsuchende seien. (APA, 24.7.2015)

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