Anleger machen Bogen um Gold & Co

24. Juli 2015, 15:22
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Die Berg- und Talfahrt beim Goldpreis setzt sich fort, am Freitag könnte das Minus den größten Wochenverlust seit neun Monaten bewirken

Frankfurt/Manila – Immer mehr Anleger machen einen Bogen um Gold & Co: In der Woche bis zum 22. Juli verzeichneten Edelmetall-Fonds nach Angaben der Bank of America Merrill Lynch Abflüsse von 1,1 Milliarden Dollar (1,0 Mrd. Euro) Das war so viel wie seit vier Monaten nicht mehr. Vor allem die näher rückende Zinswende in den USA macht Edelmetalle derzeit weniger attraktiv.

Höhere Zinsen dürften den Dollar nach oben treiben, was Rohstoffe für Investoren außerhalb Amerikas teurer macht. Zugleich dämpfen steigende Zinsen die Furcht der Anleger vor einer anziehenden Teuerung. Damit verlieren Edelmetalle als Absicherung gegen Inflation an Attraktivität. Das schwindende Interesse an Gold zeigte sich auch in den jüngsten Abflüssen aus Gold-ETFs, die sich in der abgelaufenen Woche nach Daten von Thomson Reuters auf 18 Tonnen summierten.

Goldpreis gefallen

Der Goldpreis ist am Freitag auf den tiefsten Stand seit fünfeinhalb Jahren gerutscht. Das Edelmetall verbilligte sich am Vormittag um bis zu 1,2 Prozent auf 1077 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) und könnte mit einem Minus von mehr als vier Prozent den größten Wochenverlust seit neun Monaten ausweisen.

Bei dem Ausverkauf am Montag seien wichtige charttechnische Unterstützungen durchbrochen worden, die weitere Verkäufe nach sich gezogen hätten, sagten Händler. Die Stimmung am Goldmarkt sei pessimistisch, Marktteilnehmer rechneten mit weiteren Kursverlusten. "Das technische Umfeld sieht übel aus, hinzu kommen stärker als erwartet ausgefallene Konjunkturdaten aus den USA", sagte Rohstoffexperte Victor Thianpiriya von der ANZ Bank in Singapur. Der Goldpreis müsse erst auf 1040 Dollar fallen, bevor es zu einer Erholung kommen könne. "Das wissen auch die, die gerade verkaufen", ergänzte er.

Überraschende Dynamik

Der Kursrutsch von Montag von 3,3 Prozent hatte viele auf dem falschen Fuß erwischt. Die ungewöhnlich hohen Umsätze und die Dynamik überraschten die Marktteilnehmer. Bislang gibt es unter den Experten keine klare Meinung, wie und warum der Goldpreis derart abgestürzt ist. Händler aus Hongkong und New York beschuldigen sich gegenseitig, die Bewegung mit massenhaften Verkäufen verursacht zu haben.

Zudem rückt eine Zinswende in den USA Händlern zufolge immer näher, was die Rohstoffwährung Dollar weiter verteuern dürfte. Eine steigende US-Währung macht Rohstoffe für Investoren außerhalb Amerikas teurer. Zugleich dämpfen höhere Zinsen die Furcht der Anleger vor einer anziehenden Teuerung. Damit verlieren Edelmetalle als Absicherung gegen Inflation an Attraktivität. Auch die Nachfrage nach dem gelben Edelmetall in Indien und China schwächelt. "Gold hatte schon immer zwei Funktionen: als Krisenwährung und als Rohstoff", sagten die Analysten von Macquarie. "Momentan ist keine der beiden gefragt." (Reuters, 24.7.2015)

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