Hundstage in der Wiener Straßenbahn

Kolumne24. Juli 2015, 15:14
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Ulf, die Wiener Niederflur-Bim, ist an Tagen wie diesen ein fahrender Kochtopf

Der SUV, wie der ausgewiesene Fachmann weiter oben urteilt, scheint tatsächlich das richtige Rezept. Wer in diesen Hundstagen auf die Straßenbahn angewiesen ist, spürt dies tagtäglich leidvoll. Klimaanlage? Fehlanzeige. Insbesondere im Ulf, der gelobten Niederflur-Bim von Siemens.

In den alten Bombardier-Wagen, die an die 40 Jahre auf dem Buckel haben (und trotzdem deutlich weniger fehleranfällig und daher öfter auf der Straße sind als in Remise oder Werkstatt), erwartet man als gelernter Wiener ja nichts Besseres, wenngleich diese Oldies Fenster haben, die ausreichend Frischluft hereinlassen, selbst wenn diese mit 38 Grad nicht zu kühlen vermag.

Der moderne Ulf hingegen? Ist in Sachen Komfort und funktionierender Lüftung eine Niederlage. Die Wahrscheinlichkeit, eines der klimatisierten Ultra-Low-Floor-Gefährte zu erwischen, geht gegen null – obwohl bereits 150 aufgerüstete Garnituren fahren.

Fahrender Kochtopf

"Kaputt", "nicht vorgesehen, weil erste Ulf-Generation", "funktioniert schon, hilft aber nichts, weil die Leute dauernd die Fenster aufreißen" – das sind die häufigsten Begründungen, mit denen der p.t. steuerzahlende Fahrgast maximal unfreundlich abgespeist wird. Wahr ist: Der Ulf ist ein fahrender Kochtopf.

Wenn einer nun frei nach Murphy argumentiert, das sei Pech oder verzerrte Wahrnehmung, weil genug neue Ulfs herumgurken, und überhaupt sei Hitze an wenigen Tagen im Jahr zumutbar: Stimmt. Man kann sich das Leben auch schönsaufen und auf öko pfeifen. Alles eine Frage der Alternativen. (Luise Ungerboeck, 24.7.2015)

  • Der moderne Ulf ist in Sachen funktionierender Lüftung eine Niederlage.
    foto: manfred helmer/wiener linien

    Der moderne Ulf ist in Sachen funktionierender Lüftung eine Niederlage.

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