Der Bus ist mein fahrbares Gartenhaus

27. Juli 2015, 05:30
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Mit seinem knallgelben Bus, Baujahr 1992, fährt Gerd Alfons, bis heuer technischer Leiter der Bregenzer Festspiele, von einem schönen Ort zum anderen

Mit seinem knallgelben Bus, Baujahr 1992, fährt Gerd Alfons, bis heuer technischer Leiter der Bregenzer Festspiele, von einem schönen Ort zum anderen. Geschlafen wird, wo es ihm gefällt, erfuhr Jutta Berger.

"Überall wohnen können, das war für mich schon als junger Rucksacktourist, der sich aus der Gloggnitzer Gegend auf den Weg gemacht hat, der Traum. Verwirklicht habe ich ihn 1992. Dank unseres Busses, der jetzt, wenn ich richtig gerechnet habe, 23 Jahre alt ist, hab ich im Urlaub mein Wohnzimmer und mein Schlafzimmer immer dabei: auf dem Autobahnparkplatz, in einem Wald, neben einem Holzstoß im Bregenzerwald, wenn wir am nächsten Tag auf einen Berg gehen.

foto: christian grass
31 Jahre lang machte Gerd Alfons als technischer Direktor der Bregenzer Festspiele Unmögliches auf der Seebühne möglich. Nun genießt er das Leben als Roadmovie.

Was ich besonders mag: Du fährst von der Fähre in Bastia runter, ein paar Kehren den Berg hinauf, suchst dir einen Parkplatz, machst die Fenster zu wegen der Mücken. Am Morgen wachst du auf und blickst über das Meer. Diese Freiheit hast du in keinem Hotelzimmer.

Wir haben zwei Monate nach dem passenden Bus gesucht. Grundkriterium war, dass er nicht zu groß für den Autoreisezug ist und nicht zu kurz für unsere Schlafbedürfnisse. Mit vier Meter achtzig ist der Toyota Hiace genau richtig. Wir kommen so durch schmale italienische Gassen, und weil er eine Übersetzung wie ein Lieferwagen hat, schaffen wir auch jede Bergstraße.

Das allerwichtigste Kriterium war für mich, hinter den Fahrersitzen so viel Platz zu haben, dass man mit zwei Meter Länge schlafen kann und außerdem genug Platz ist, um gemütlich zu sitzen und die Schuhe ein- oder anzuziehen. So trägst du nie Nässe in dein Bett.

Unser Bus ist für mich wie ein fahrbares Gartenhaus. Eingerichtet ist er ganz einfach. Meine Frau Uli hat ihn auf unsere Bedürfnisse hin optimiert, ich hab nur zugearbeitet. Worauf ich nicht verzichten möchte, ist ein gutes Bett, das immer parat ist. Eines zum Aufklappen, das könnte ich nicht brauchen! Natürlich haben wir einen Kocher mit und in einer Metallkiste unter dem Bett die notwendigsten Kochutensilien: ein paar Teller, ein paar Gläser, ein Schneidbrett. Und die Kaffeekanne. Uli hat genau ausgetüftelt, welche Kanne am besten geeignet ist, um wirklich guten Kaffee zu brühen. Kühlschrank brauchen wir keinen, wir leben von dem, was wir unterwegs kaufen können, beim Bauern oder Nahversorger. Ein paar Nudeln und ein paar Gläser Sugo, das reicht als Notvorrat. Auf sanitäre Einbauten haben wir auch verzichtet, das würde zu viel Platz wegnehmen. Campingplätze bieten ja gute Infrastruktur.

Wir sind bei der Mehrfachnutzung recht erfinderisch. So wird die Heckklappe hochgeklappt zum Dach. Mit einem Vorhang, der einen Gummizug hat und blitzschnell montierbar ist, können wir sie ummanteln. Dann haben wir eine Umkleidekabine.

Hinter dem Bett haben unsere beiden Klappräder nebeneinander Platz. Die Sättel dienen als Nackenstütze, wenn wir am Abend lesen wollen. Unter das Bett passen hinten zwei Metallkisten, vorne zwei Ikeataschen, ausgestattet mit Reißverschluss und festem Boden für die alltäglichen Dinge. Der Tisch mit Rollplatte wird zusammengerollt zwischen Bett und Wand gesteckt, ebenso die Klappstühle. Alles hat seinen Platz.

Dann haben wir noch ein einhängbares Sonnensegel mit und Vorhänge, die wir abends montieren. Wichtig sind auch die beiden Kleiderbügel an den Nackenstützen – für mein Sakko, denn ich will ja nicht wie ein Tourist ausschauen.

Wir können rundherum alle Fenster öffnen, das ist wie Schlafen im Freien. Wenn du im Morgengrauen aufwachst, die Vögel zwitschern und die Sonne grad aufgeht, das ist Freiheit!

Und wenn es einmal zu kalt und feucht wird oder wir uns angammeln, dann suchen wir uns ein nettes B&B. Aber nur vorübergehend!" (27.7.2015)

Gerd Alfons wurde 1950 in Wiener Neustadt geboren. Nach der HTL in Mödling studierte er Betriebswirtschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien und schnupperte im Max-Reinhardt-Seminar. Sommerjobs bei den Bayreuther Festspielen entfachten die Leidenschaft für das Theater. 1984 kam Alfons nach Bregenz und blieb. Nach 31 Jahren als technischer Direktor und Innovator der Bregenzer Festspiele ging er letzte Woche in Pension. Mit Gattin Uli setzte er sich nach der Premiere von Turandot in den knallgelben Toyota Hiace und fuhr Richtung England, einem neuen Lebensabschnitt entgegen.

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