Wie Apple mit "Apple Music" dem Streaming-Markt schadet

24. Juli 2015, 09:15
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Konsumentenschützer beklagen erpresserische Praktiken, EU- und US-Behörden sollen prüfen

Apple will es wirklich wissen: Mit dem neuen Streaming-Dienst Apple Music soll schnell die Marktführerschaft erobert werden, später könnte ein ähnliches Angebot für Fernsehen, Filme und Serien folgen. Mit den Angeboten soll ein weiteres Geschäftsfeld erschlossen werden, in das Apple viel Energie steckt. Doch laut Konsumentenschützern greift der IT-Konzern auch zu unfairen Methoden. Apple soll seine Marktmacht in anderen Bereichen nutzen, um Mitbewerber und Rechteinhaber unter Druck zu setzen, schreibt nun die Verbraucherschutzorganisation "Consumer Watchdogs" in einem offenen Brief an das US-Justizministerium.

Ein unmoralisches Angebot

Apple soll laut Consumer Watchdogs auf dreifacher Art und Weise einen unfairen Startvorteil haben – der in Gesprächen mit Rechteinhabern auch immer wieder betont worden sein soll:

  • Der IT-Konzern betont immer wieder, Zugang zu 800 Millionen Kreditkarten-Daten seiner Nutzer zu haben. Daher sei Apple prädestiniert, einen Abo-Dienst anzubieten.
  • Apple weiß dank iTunes, dem größten Ort für (bezahlte) Musik-Downloads im Netz, wie viel Nutzer für welche Musik ausgeben und kann Streaming-Dienste daher optimieren.
  • Apple kann dank iTunes und Co die Rechteinhaber aushebeln und direkt Verträge mit Künstlern abschließen.

Erstaunlich gute Deals

Das alles soll Rechteinhaber dazu bewogen haben, aus der Perspektive von Apple sehr gute Deals abzuschließen. So hatten Plattenlabels anfangs sogar zugestimmt, in der Probephase von Apple Music keine Tantiemen einzustreichen – erst ein Appell samt Boykott-Drohung von US-Popstar Taylor Swift konnte das verhindern. Ironisch ist, dass gerade Gratis-Dienste ein Dorn in Apples Auge sind. So sollen werbefinanzierte Services wie die Basisversion von Spotify aus dem Geschäft gedrängt werden.

Exklusive Inhalte

Gelingen soll das etwa mit exklusiven Inhalten, die Rechteinhaber Apple zusprechen. Alben sollen für einen bestimmten Zeitraum ausschließlich auf Apple Music verfügbar sein – eine Praxis, die Apple schon mit iTunes anwandte. Laut Consumer Watchdogs nutzt Apple seine Position als App-Vertreiber für iOS und Mac auch, um günstigere Preise der Konkurrenz zu verhindern. So soll Apple ihnen verboten haben, Familien-Pakete anzubieten.

Kartellverfahren in EU und USA möglich

Die US-Wettbewerbshüter zeigen sich jedenfalls interessiert. Ein mögliches Kartellverfahren könnte Apple teuer zu stehen kommen. Der IT-Konzern war schon wegen illegaler Preisabsprachen im E-Book-Bereich zu einer Millionenzahlung verpflichtet worden. Auch die EU-Kommission soll an einer Untersuchung interessiert sein. (fsc, 24.7.2015)

  • Apple: Zu dominantes Vorgehen am Streaming-Markt?
    foto: reuters/segar

    Apple: Zu dominantes Vorgehen am Streaming-Markt?

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