Versicherer Ergo hat sich kräftig verrechnet

24. Juli 2015, 09:38
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Bei hunderttausenden deutschen Lebensversicherungs-Kunden wurden Erträge und Gutschriften falsch berechnet, in Österreich zittern Kunden um ihr Geld

Wien – Der deutsche Versicherer Ergo hat sich bei hunderttausenden Lebensversicherungs-Kunden bei der Ermittlung von Erträgen und Gutschriften verrechnet. Bisher habe das Unternehmen in 350.000 Fällen Bescheide korrigiert, sagte eine Sprecherin am Donnerstag. Wie viele Kunden betroffen seien, könne Ergo noch nicht mitteilen. Die Aufarbeitung dauere noch an.

Bei den meisten bisher abgearbeiteten Fällen gehe es um "Cent-Beträge bis dreistellige Summen", sagte die Ergo-Sprecherin. Doch gebe es auch "einige wenige Fälle", in denen es sich um fünfstellige Summen handle. Dabei verrechnete sich die Versicherung nach eigenen Angaben aber nicht nur zuungunsten ihrer Kunden. In vielen Fällen habe sie auch zu viel ausgezahlt oder überhöhte Summen gutgeschrieben.

Ursache des Problems sind nach Ergo-Angaben Fehler in den Computerprogrammen, mit denen die Erträge berechnet wurden. Die Zahl der insgesamt bei dem Versicherer abgeschlossenen Lebensversicherungsverträge liege bei rund sieben Millionen. Ergo ist ein Tochterunternehmen des Rückversicherers Munich Re.

Probleme auch in Österreich

Auch in Österreich ist die Ergo in die Schlagzeilen gekommen. 14.000 Kunden müssen sich auf hohe Verluste mit Lebensversicherungspolizzen gefasst machen. Grund dafür ist eine Lebenspolizze, deren Ertrag auf Anleihen der ÖVAG basiert, die Anfang Juli zur Bad Bank Immigon wurde. Nun gibt es Zweifel, ob die Immigon Kunden ablaufende Lebensversicherungen vollständig zurückzahlen kann.

Ab 2008 hat die ÖVAG diese Anleihen ausgegeben. Die damalige Victoria Volksbanken Versicherung (heute: Ergo Versicherung) investierte das Anlegergeld aus indexgebundenen Lebensversicherungen (Rocket I, II ...) in diese Anleihen. Diese Lebensversicherungen wurden an Anleger über Volksbanken als "sicheres Investment" verkauft. Und das, obwohl den Volksbanken damals bereits klar gewesen sein müsse – so der Verein für Konsumenteninformation (VKI) –, dass die ÖVAG finanzielle Probleme hatte. Die ÖVAG musste 2015 gerettet werden. Der VKI sammelt nun Versicherungskunden, die sich geschädigt sehen.

Eine betroffene Kundin hat im Jahr 2006 bei der Volksbank Schwechat eine Lebensversicherung über zehn Jahre mit einem Einmalerlag von 20.000 Euro abgeschlossen – gekoppelt mit der Zeichnung einer Anleihe namens Rocket III und verbunden mit einer Mindestgarantie in Höhe des Einzahlungsbetrags seitens der Volksbank. Jetzt befürchtet sie, dass sie für ihre 20.000 noch 17.500 Euro bekommen könnte – "das wär ein Glücksfall". (APA, red, 24.7.2015)

  • Nicht alle Versicherungskunden können so gut schlafen wie dieser Mann.
    foto: reuters/gray

    Nicht alle Versicherungskunden können so gut schlafen wie dieser Mann.

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