Tod einer 28-Jährigen in US-Zelle war laut Obduktion Suizid

24. Juli 2015, 08:31
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Früherer Selbstmordversuch angenommen – Fall in Texas hatte Debatte um Polizeigewalt befeuert

Houston – Gerichtsmediziner im US-Bundesstaat Texas haben den Tod einer Frau in einer Gefängniszelle als Suizid eingestuft. Bei der Obduktion seien keine Anzeichen für einen Kampf oder ein Fremdeinwirken festgestellt worden, teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit.

Stattdessen seien zwei bis vier Wochen alte Schnittwunden an dem Handgelenk der Frau festgestellt worden, die auf einen möglichen früheren Suizidversuch hindeuten. Bei den Tests seien im Körper der Frau auch Hinweise auf Marihuana gefunden worden, sagte Staatsanwalt Warren Diepraam.

Die 28-Jährige wurde am 13. Juli nach Justizangaben wegen eines Angriffs auf einen Staatsbediensteten festgenommen. Auf dem Video zur Festnahme in der Nähe von Houston ist zu sehen, wie ein weißer Polizist die Frau stoppt, weil sie beim Spurwechsel nicht geblinkt hat. Die Aufnahmen zeigen anschließend eine Auseinandersetzung, bei der die Afroamerikanerin aus dem Auto gezerrt wird.

Drei Tage nach ihrer Festnahme wurde die Frau erhängt in ihrer Gefängniszelle gefunden. Ihre Familie bestritt, dass sie suizidgefährdet gewesen sei. Der Fall hatte die Debatte um Rassismus und Polizeigewalt in den USA wieder angeheizt.

Auf Blinker vergessen

Staatsanwalt Diepraam erläuterte, er rechne nicht mit einer zweiten Autopsie durch die Behörden. Die Familie kann das aber nach seinen Angaben veranlassen. Sie hatte eine unabhängige Untersuchung der Todesursache gefordert. In den Medien waren mehrfach angebliche Hinweise aufgetaucht, dass Sandra Bland in der Vergangenheit suizidgefährdet gewesen sei und dass sie Drogen genommen haben soll. Der Staatsanwalt sagte, er erwarte mehr Resultate zur Einnahme von Drogen in den kommenden Tagen.

US-Medien wiesen indes darauf hin, das aus dem Video offenbar Teile herausgeschnitten wurden. Zu sehen ist in den Aufnahmen, wie der Beamte seinen Taser zieht, doch kein Einsatz der Waffe. In sozialen Netzwerken sorgten zudem widersprüchliche Angaben in den Haftunterlagen für Spekulationen. Es wurden gar Verschwörungstheorien aufgebracht, wonach die Frau schon auf dem Polizeifoto tot gewesen sein soll. (APA, AFP, red, 24.7.2015)

  • Die Kontrolle der 28-Jährigen in Prairie View, Texas.
    foto: reuters/the texas department of public safety/handout

    Die Kontrolle der 28-Jährigen in Prairie View, Texas.

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