Amazon zählt an der Börse mehr als Walmart

24. Juli 2015, 06:43
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Der Onlinespezialist ist nun an der Börse über 30 Milliarden mehr wert als Traditionshändler Walmart, der nach Umsatz fünfmal so groß ist

San Francisco/Bangalore – An der Börse zählt zukunftsträchtiges Onlinegeschäft mehr als Milliardengewinne: Mit seinen zahlreichen Internetaktivitäten hat Amazon den weltgrößten Einzelhändler Walmart nun im Marktwert überholt. Nach der Vorlage der Quartalszahlen verteuerten sich die Amazon-Aktien im außerbörslichen Handel am Freitag um mehr als 18 Prozent auf 571 Dollar, weil der Onlinespezialist nicht wie zuletzt oft rote Zahlen schrieb und sich positiv zu den Geschäftsaussichten im Sommer äußerte.

Überholspur

Auf diesem Niveau ist der vor 20 Jahren als Buchhändler gestartete Konzern rund 266 Milliarden Dollar wert, über 30 Milliarden mehr als Walmart. Dabei ist das amerikanische Traditionsunternehmen mit 2,2 Millionen Beschäftigten und einem Jahresumsatz von fast 500 Milliarden Dollar mehr als fünfmal so groß ist wie Amazon und fährt stetig Gewinne in Milliardenhöhe ein.

Der Anlass für den Jubel: Amazon hat überraschend einen Gewinn vorgelegt und sein Geschäft mit zukunftsträchtigen Computerdiensten im Internet massiv ausbauen können. Kombiniert mit einem Ausblick für das laufende Quartal über den Expertenerwartungen ließen die Unternehmenszahlen in der Nacht zum Freitag die Aktie nachbörslich um 17 Prozent steigen.

Zwar blieb der Gewinn im zweiten Quartal mit 92 Millionen Dollar um Größenordnungen kleiner als die 3,3 Milliarden, die Walmart im Mai bekanntgegeben hatte. Auch Google erzielte einen Nettogewinn von fast vier Milliarden Dollar im jüngsten Berichtszeitraum. Allerdings hatten Experten bei Amazon mit einem Verlust von 14 Cent je Aktie gerechnet statt des nun erzielten Gewinns von 19 Cent. Der Umsatz lag um fast ein Fünftel höher bei 23,2 Milliarden Dollar und übertraf damit ebenfalls die Prognose von 22,4 Milliarden.

Geldregen aus der Datenwolke

Ein wichtiger Teil des Wachstums kam dabei aus Nordamerika, dem größten Einzelmarkt. Die starke Nachfrage nach Elektronik und anderen Gütern spülte Amazon dort ein Viertel mehr Geld in die Kassen. "Es sieht so aus, als ob sie jede Messlatte beim Umsatz übersprungen haben", sagte Colin Sebastian von Robert W. Baird. "Das, zusammen mit dem überraschenden Gewinn, ist das Sahnehäubchen auf dem Kuchen." Für das laufende dritte Quartal erwartet Amazon einen um bis zu 24 Prozent höheren Nettoumsatz von 23,3 Milliarden bis 25,5 Milliarden Dollar, während von Reuters befragte Experten im Schnitt mit 23,9 Milliarden Dollar rechnen.

Besondere Aufmerksamkeit erregte das Geschäft mit Cloud-Computing, bei dem Amazon Speicher- und Rechendienste bereitstellt. Der Umsatz der Sparte Amazon Web Services (AWS) sprang um 81,5 Prozent auf 1,8 Milliarden Dollar und macht damit inzwischen fast acht Prozent des Gesamtumsatzes aus. Das Unternehmen hatte zuerst im April finanzielle Einzelheiten zum Cloud-Geschäft veröffentlicht und auch damals ein rasantes Wachstum vorgelegt. Start-up-Unternehmen, aber auch bekannte Internetkonzerne wie Netflix greifen dabei lieber auf gemietete Rechnerkapazität zurück, statt selbst Datenzentren zu betreiben. Amazon konkurriert hier unter anderem mit SAP, Microsoft und IBM. (Reuters, 24.7.2015)

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Amazon

  • Bei Amazon laufen die Geschäfte prächtig.
    foto: ross d. franklin / ap

    Bei Amazon laufen die Geschäfte prächtig.

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