Französischer Jubel dank Bardet

23. Juli 2015, 18:18
19 Postings

Romain Bardet holt auf dem 18. Teilstück mit einem schneidigen Soloritt den zweiten Etappensieg für Frankreich. Froome weiter unantastbar

St. Jean de Maurienne – Romain Bardet hat Frankreich den zweiten Etappensieg bei der 102. Auflage der Tour de France beschert. Der Profi vom Team AG2R siegte am Donnerstag auf dem 186,5 km langen 18. Teilstück über sieben Bergwertungen nach St. Jean de Maurienne nach einem Alleingang vor seinem Landsmann Pierre Rolland. Chris Froome trennen indes nur noch 358 Kilometer von Paris und seinem zweiten Tour-Sieg nach 2013.

Der Brite vom Team Sky wehrte auch auf der fordernden 18. Etappe alle Angriffe ab. Froome geht somit weiter mit 3:10 Minuten Vorsprung auf den Kolumbianer Nairo Quintana in die drei letzten Etappen. Am Freitag steht die Königsetappe in den Alpen auf dem Programm. Auf den 138 Kilometern nach La Toussuire sind vier schwere Berge zu bewältigen, Höhepunkt ist der 19 Kilometer lange Schlussanstieg. Am Samstag folgt der Aufstieg nach l'Alpe d'Huez.

"Der morgige Tag wird kritisch, er wird entscheidend. Mehr noch als der Tag nach L'Alpe d'Huez", sagte Froome vor der Königsetappe der Alpen am Freitag.

Preidler bei der Spitzengruppe

Bereits auf den ersten 15 Kilometern der dritten Alpen-Etappe hatte sich eine Spitzengruppe von 29 Fahrern gebildet, der auch der Steirer Georg Preidler angehörte. In der ersten Hälfte zum Anstieg auf den 1.924 Meter hohen Col de Glandon setzten sich aus dieser Gruppe elf Fahrer ab, der Giant-Profi aus Österreich konnte jedoch nicht folgen.

Bardet startet sein Solo rund 35 Kilometer vor dem Ziel. Im Hauptfeld forcierten die Kontrahenten von Froome indes ihre Attacken. Alberto Contador startete eine Art Verzweiflungsattacke und konnte sich tatsächlich zwischenzeitlich absetzen. Der Spanier, der am Vortag nach einem Sturz wertvolle Zeit verloren hatte, wurde aber wieder eingeholt. Auch als Quintana und Nibali zulegten, blieb Froome immer in Reichweite.

Auf der Abfahrt vom Glandon waren wieder alle Topfahrer vereint. Alle Favoriten rollten schließlich mit etwas mehr als drei Minuten Rückstand über die Ziellinie.

"Das Gelbe Trikot ist mir wichtiger als ein Etappensieg. Ich achte nur auf das Hinterrad von Quintana und Valverde. Mein starkes Team macht mir den Job leichter", beschrieb Froome die Taktik bis Paris. Zur größten Gefahr für Froome dürfte Quintana werden, der die 18. Etappe im Gegensatz zum Mann in Gelb als "leicht" beschrieb. Contador rollte dagegen völlig entkräftet durch den Zielbereich, selbst das Podium ist für den mit Siegambitionen gestarteten Giro-Champion in Gefahr.

Bardet, der Hoffnungsträger

Auf dem Podest in Saint-Jean-de-Maurienne nahm derweil Bardet die Glückwünsche von Bernard Hinault entgegen, des bislang letzten einheimischen Gesamtsiegers bei der Großen Schleife. 30 Jahre ist das inzwischen her. Dass Bardet die Erfüllung der großen Sehnsucht seiner Landsleute werde könnte, bewies er mit seinem Auftritt am Donnerstag.

Mit einer hingebungsvollen Solofahrt hatte der erst 24-Jährige die Fans für eine bislang von Enttäuschungen geprägte Rundfahrt entschädigt. In der Abfahrt vom Col du Glandon riskierte Bardet alles und sorgte für die Vorentscheidung zu seinen Gunsten. "Ich kann es nicht glauben, was für eine verrückte Etappe", sagte Bardet. Im Vorjahr Sechster der Gesamtwertung, sorgte er mit seinem ersten Etappensieg für den erst zweiten Tageserfolg der Gastgeber bei der Tour 2015. Teamkollege Alexis Vuillermoz hatte den 8. Abschnitt auf der Mûr-de-Bretagne für sich entschieden. (APA,sid,red – 23.7.2015)

Ergebnisse der 102. Tour de France vom Donnerstag 18. Etappe, Gap – Saint Jean de Maurienne (186,5 km):

1. Romain Bardet (Frankreich/AG2R) 5:03:40 Stunden, 2. Pierre Roland (Frankreich/Europcar) 0:33 Minuen zurück, 3. Winner Anacona (Kolumbien/Movistar) 0:59, 4. Bob Jungels (Luxemburg/Trek Factory), 5. Jakob Fuglsang (Dänemark/Astana) beide gleiche Zeit, 6. Serge Pauwels (Belgien/MTN-Qhubeka) 1:01, 7. Cyril Gautier (Frankreich/Europcar) 1:50, 8. Damiano Caruso (Italien/BMC) gleiche Zeit, 9. Andrew Talansky (USA/Cannondale-Garmin) 1:55, 10. Warren Barguil (Frankreich/Giant-Alpecin) 3:02, 11. Robert Gesink (Niederlande/LottoNL-Jumbo), 12. Christopher Froome (Großbritannien/Sky), 13. Alejandro Valverde (Spanien/Movistar), 14. Geraint Thomas (Großbritannien/Sky), 15. Alberto Contador (Spanien/Tinkoff-Saxo) alle gleiche Zeit.

Weiter: 50. Georg Preidler (AUT) Giant 18:44 – 145. Marco Haller (AUT) Katjuscha 35:51 – 159. Matthias Brändle (AUT) IAM 35:51

Gesamtwertung: 1. Froome 74:13:31 Stunden, 2. Nairo Quintana (Kolumbien/Movistar) 3:10 Minuten zurück, 3. Valverde 4:09, 4. Thomas 6:34, 5. Contador 6:40, 6. Gesink 7:39, 7. Vincenzo Nibali (Italien/Astana) 8:04, 8. Mathias Frank (Schweiz/IAM) 8:47, 9. Bauke Mollema (Niederlande/Trek) 12:06, 10. Bardet 12:52, 11. Barguil 13:08, 12. Talansky 15:18, 13. Rolland 16:02, 14. Pauwels 18:06, 15. Samuel Sanchez (Spanien/BMC Racing) 18:11.

Weiter: 83. Preidler 2:27:07 – 124. Haller 3:11:21 – 157. Brändle 3:47:15

  • Punktewertung (Grünes Trikot): 1. Peter Sagan (Slowakei/Tinkoff-Saxo) 420 Punkte, 2. Greipel 316, 3. Degenkolb 281

  • Bergtrikot (Gepunktetes Trikot): 1. Joaquim Rodriguez (Spanien/Katjuscha) 68 Punkte, 2. Bardet 68, 3. Jakob Fuglsang (Dänemark/Astana) 64

  • Nachwuchswertung (Weißes Trikot): 1. Quintana 74:16:41, 2. Bardet 9:42 Minuten zurück, 3. Barguil 9:58

  • Teamwertung: 1. Movistar 223:36:08 Stunden, 2. MTN-Qhubeka 36:23 Minuten zurück, 3. Sky 39:38 (SID)
  • Zieleinfahrt.
    foto: reuters/gaillard

    Zieleinfahrt.

Share if you care.