Recht auf Teilzeit: Echte Wahlfreiheit

Kommentar23. Juli 2015, 17:17
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Wenn es gelingt, Mitarbeiter länger gesund in den Firmen zu halten, wäre die Teilzeitidee ein Gewinn

Von einem Mangel an Teilzeitkräften kann man in Österreich nicht wirklich sprechen. Fast schon jede zweite erwerbstätige Frau hat keinen Vollzeitjob. Nicht immer passiert das freiwillig: Knapp 15 Prozent der Teilzeitbeschäftigten wollen mehr Stunden arbeiten, zeigte eine im April veröffentlichte Untersuchung der EU-Statistikbehörde Eurostat. Für sie ist die Jobsituation doppelt bitter: Sie verdienen nicht nur weniger, als sie gerne würden. Wegen der geringeren Stundenzahl fällt später auch die Pension entsprechend niedriger aus.

Trotzdem würde der Vorschlag von Wifo-Chef Karl Aiginger, nach einer gewissen Betriebszugehörigkeit ein Recht auf Teilzeit einzuführen, durchaus Sinn ergeben. Er würde den Arbeitnehmern wirkliche Wahlfreiheit verschaffen, und wenn ein diesbezügliches Gesetz nur für Betriebe ab einer gewissen Größe gelten würde, käme es wohl auch zu keiner übermäßigen Belastung.

Aus finanzieller Sicht wäre der Vorschlag für die Wirtschaft sogar attraktiver als zusätzliche Freizeit (etwa in Form der sechsten Urlaubswoche) – diese würde sich in der Bilanz negativ zu Buche schlagen. Bei einer Arbeitszeitreduktion entstünden keine Kosten, weil ja auch das Gehalt entsprechend sinken würde. Etwas aufwendiger wäre natürlich die innerbetriebliche Organisation. Wenn es aber gelingt, Mitarbeiter länger gesund in den Firmen zu halten, wäre die Teilzeitidee ein Gewinn für alle. (Günther Oswald, 23.7.2015)

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