"Ich war oft ein absoluter Idiot"

23. Juli 2015, 16:26
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Der Beachvolleyballer Clemens Doppler spricht vor der EM in Klagenfurt über Fehler von früher, Reibereien mit Partner Alexander Horst, Beinfreiheit im Flugzeug und die Hoffnung auf ein Ticket nach Rio

Wien/Klagenfurt – Abkühlung aus Feuerwehrschläuchen, Bumm-Bumm-Musik und lange Schlangen vor dem Strandbad: Es ist wieder Beachvolleyball, es ist wieder in Klagenfurt, diesmal steigt sogar, zum zweiten Mal nach 2013, die Europameisterschaft. Am Dienstag geht's los. Für Clemens Doppler und Alexander Horst am Mittwoch. Österreichs beste Paarung im Sand spielt eine starke Saison, holte außer bei der WM in den Niederlanden, nur Top-Ten-Plätze auf der World Tour. In Klagenfurt ist das Duo an vierter Stelle gesetzt. Für einen Podestplatz in der Heimat hat es noch nie gereicht. "Die Erwartungshaltung ist hoch. Die Dichte ist hoch. Der Druck ist hoch. Wir stapeln lieber tief, wollen die Gruppenphase überstehen", sagt Doppler.

Beachvolleyball, das bedeutet nicht nur Spielen in der Sandkiste, sondern auch Beziehungsspiel. Es gibt immer wieder Reibereien, "du verbringst viel Zeit miteinander, wir sind beide Alphatiere, da kracht es öfter." Wichtig sei die Gewissheit, dass man an einem schlechten Tag vom anderen nicht hängengelassen werde. "Du kannst dich nicht auswechseln, hast auch keinen Trainer auf dem Feld." Doppler und Horst kennen einander ewig und drei Tage, haben in der Jugend bereits in der Halle miteinander gespielt und zusammengewohnt. Von Dopplers ehemaligen Partnern hat ihn Nik Berger, mit dem er 2003 seinen ersten EM-Titel gefeiert hat, am meisten geprägt. Berger öffnete ihm die Tür ins Profigeschäft. "Er hat mich geschliffen, zu dem gemacht, der ich jetzt bin."

Ob Doppler selbst immer ein guter Partner war? "Nein, ich war oft ein absoluter Idiot, habe meine Mitspieler nicht immer besser gemacht." Eine wichtige Erfahrung. Die Persönlichkeit Clemens Doppler reifte. Nach seinem dritten Kreuzbandriss, seinem ersten im rechten Knie, spielte er die vergangene Saison mit Schmerzmitteln, musste regelmäßig Turniere auslassen. Es war genau der Kniewinkel, "den ich beim Wegspringen und beim Sitzen auf dem Klo habe". Heuer ist der Oberösterreicher schmerzfrei, was er auch einem Arzt aus Brunn am Gebirge zu verdanken hat, der in seiner Praxis den stärksten Laser Österreichs stehen hat.

Hoffen auf Rio

Das größte Ziel für Doppler/Horst ist die Qualifikation für Rio 2016. Die besten 15 Teams der Weltrangliste sind fix dabei. Im Kampf um Punkte sollte man kein Turnier verpassen. Deshalb ging es vor Klagenfurt noch einmal rund um die Welt nach Yokohama, Japan. Zurückgeflogen wird als Meilensammler in der Business-Class, normalerweise unleistbar für das Duo. Die langen Beine harren ihrer Ausstreckung. "Wir kennen als Vielflieger mittlerweile viele Menschen auf vielen Flughäfen. Zumindest die Plätze am Notausgang gehen sich meistens aus."

Beachvolleyball ist keine Trendsportart mehr, aus Idealisten wurden in den vergangenen 20 Jahren weltweit Profis. Der Volleyball-Weltverband (FIVB) verteilt dieses Jahr Rekord-Preisgelder. 9,3 Millionen Dollar schüttet die FIVB auf den 17 Weltserien-Turnieren aus. Grand Slams und die neuen Major-Turniere sind mit je 800.000 Dollar dotiert, im Finale werden 500.000 Dollar ausgeschüttet. Moderne Trainingsstützpunkte gibt es nicht nur in den Mutterländern USA und Brasilien. Beachvolleyball ist bei Olympia ein Renner, war sowohl in London als auch in Peking ausverkauft. Der US-Fernsehriese NBC wird 80 Prozent aller Spiele aus Rio live übertragen. Einen Hauch von Copacabana umweht auch Wien-Floridsdorf. In einer Halle wurde Sand wie jener am Strand von Rio aufgeschüttet. Die Anlage wurde mit 400.000 Euro aus den Töpfen vom "Projekt Rio" gefördert. Doppler: "Das ist kein Schmäh, sondern ein Detail, das uns auf dem Weg helfen kann."

Als Vater einer eineinhalbjährigen Tochter ärgert sich Doppler über Niederlagen nicht mehr so. Das Karriereende ist noch kein Thema, "ich werde spüren, wenn es Zeit ist." Ausgesorgt hat er nicht, aber ausgefeiert. Seine zahlreichen Tätowierungen sind Zeugnis davon. "Ich werde nie bei einer Bank oder einer Versicherung arbeiten." Es gäbe noch viele Ideen für weitere Tattoos, "aber zu wenig Haut". (Florian Vetter, 23.7.2015)

  • Alexander Horst (vorne) spielt Clemens Doppler seit 2012 auf dem Sand die Bälle auf. Der Oberösterreicher Doppler (34) holte bereits 2003 (mit Nik Berger) und 2007 (mit Peter Gartmayer) den EM-Titel.
    foto: apa/expa/ mag. gert steinthaler

    Alexander Horst (vorne) spielt Clemens Doppler seit 2012 auf dem Sand die Bälle auf. Der Oberösterreicher Doppler (34) holte bereits 2003 (mit Nik Berger) und 2007 (mit Peter Gartmayer) den EM-Titel.

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