Zwei Delfinarten gründeten eine speziesübergreifende Gemeinschaft

24. Juli 2015, 11:27
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Im Gebiet der Bahamas haben Große Tümmler und Zügeldelfine etwas Beispielloses geschaffen

Anacortes, Washington – Es wirkt, als wollten Delfine noch nicht ganz zur Kenntnis nehmen, dass sie sich nach der Abstammung von einem gemeinsamen Vorfahren im Lauf der Jahrmillionen in etwa 40 verschiedene Arten aufgespalten haben. Man kennt eine Reihe von Fällen, in denen zwei Delfinarten in Sympatrie leben, sich also ein Gebiet in freundschaftlicher Nachbarschaft teilen. Daraus können sich auch speziesübergreifende Interaktionen ergeben – im Gebiet der Bahamas tun dies zwei Arten aber in noch nie dagewesenem Ausmaß.

US-Forscher berichten im Wissenschaftsmagazin "New Scientist" von dieser einzigartigen Gemeinschaft. Gebildet wird sie von Großen Tümmlern (Tursiops truncatus) und den im Schnitt etwas kleineren, gefleckten Zügeldelfinen (Stenella frontalis). Beide Arten haben ein ausgeprägtes Sozialverhalten und leben im Normalfall in kleinen Schulen. Um die Bahamas herum allerdings verschwimmen die Grenzen.

Jagen, Babysitten und Fremdgehen

Die Forscher beobachteten verschiedenste Formen freundlicher Interaktionen zwischen Tümmlern und Zügeldelfinen: Sie bilden Jagdgemeinschaften und Verteidigungsbündnisse gegen äußere Feinde, spielen miteinander und passen sogar gelegentlich auf den Nachwuchs der jeweils anderen auf. Beobachtungen aus einem Zeitraum von 30 Jahren führen die Forscher zum Ergebnis, dass die Angehörigen der beiden Spezies etwa 15 Prozent ihrer Zeit miteinander verbringen.

Über die Hälfte der Interaktionen ist freundlicher Natur – Streit gibt es allerdings auch. Und es gibt speziesübergreifenden Sex, auch wenn hier kein Gleichgewicht herrscht. Die Tümmlermännchen nützen nämlich den Umstand, dass sie fast doppelt so groß wie männliche Zügeldelfine sind, um sich an deren Weibchen heranzumachen. Nur mit vereinten Kräften können mehrere Zügeldelfinmännchen einen solchen Eindringling abwehren.

Warum die beiden Spezies eine derart eng verwobene und offenbar auch dauerhafte Gemeinschaft gebildet haben, ist den Forschern zufolge immer noch nicht ganz geklärt. Die Meeressäuger-Expertin Cindy Elliser vermutet aber, dass es diese Strategie beiden Spezies ermöglicht, die Ressourcen ihres gemeinsamen Lebensraums optimal auszunützen und eine stabile Gemeinschaft aufrechtzuerhalten. (red, 24. 7. 2015)

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