Türkische Tageszeitung entlässt Kommentator wegen Erdoğan-Kritik

23. Juli 2015, 13:55
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Kadri Gürsel erhob Vorwürfe nach vermutlichem IS-Anschlag in der Stadt Suruç

Istanbul – Die führende türkische Tageszeitung "Milliyet" hat einen ihrer wichtigsten Kommentatoren wegen eines kritischen Beitrags auf Twitter über Präsident Recep Tayyip Erdoğan entlassen. Die Twitter-Botschaft stehe nicht in Einklang mit den journalistischen Grundsätzen der Zeitung, hieß es laut Medienberichten vom Donnerstag in einer Erklärung von "Milliyet".

Twitter-Kommentar zu IS-Anschlag

Der Kommentator Kadri Gürsel hatte Erdoğan vorgeworfen, die treibende Kraft hinter dem Aufstieg der Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) zu sein. "Es ist peinlich, dass ausländische Politiker der Person ihr Beileid zu Suruç aussprechen, die der Hauptgrund für den IS-Terror in der Türkei ist", schrieb er auf seinem Twitter-Konto nach dem Selbstmordanschlag vom Montag in der türkischen Stadt an der Grenze zu Syrien. 32 Menschen waren bei dem Anschlag getötet worden, für den die Regierung den IS verantwortlich macht.

Vergangenheit und Extremismus

Der Türkei wurde in der Vergangenheit wiederholt vorgeworfen, mit IS-Extremisten zusammenzuarbeiten in der Hoffnung, dass diese sich als nützlich bei dem Ziel erweisen, den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad zu stürzen. Ankara bestreitet das vehement. Zugleich wächst die Sorge über die sich verschlechternde Lage für Journalisten in der Türkei. Gegen zahlreiche Journalisten laufen Gerichtsverfahren wegen des Vorwurfs der Beleidigung Erdoğans. (APA, AFP, 23.7.2015)

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