Japanische Nikkei-Gruppe kauft "Financial Times" um 1,2 Milliarden Euro

23. Juli 2015, 14:32
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Axel-Springer-Konzern wurde bis zuletzt als Favorit gehandelt

London/Berlin – Reuters wurde als Käufer gehandelt, ebenso Konkurrent Bloomberg, und Springer sollte vor dem Zuschlag stehen. Doch während die Medienwelt den Käufer der Financial Times in Deutschland suchte, griff ein Medienhaus aus Japan zu: Nikkei.

Für fast 1,2 Milliarden Euro übernimmt der japanische Finanzinformationskonzern, der den Tokioter Börsenindex schuf, das lachsfarbene und längst überwiegend digitale Weltwirtschaftsblatt.

Dem britischen Medienkonzern Pearson gehörte die Financial Times seit 60 Jahren. Er will sich nun auf Bildungsmedien konzentrieren, hier gilt er als Weltmarktführer.

Seinen Buchverlag Penguin hat Pearson schon 2013 mit Bertelsmanns US-Verlagsriesen Random House fusioniert – zum weltgrößten Publikumsverlag. Dort hält Pearson 47 Prozent.

Digitale Stärke

Der Verkauf der renommierten, 1888 gegründeten Financial Times ist eher kein Stoff für Abgesänge auf klassische Medien. Die Financial Times meldete an die 737.000 Abos, davon rund 70 Prozent digital – allein von 2013 auf 2014 stieg die Zahl der Digitalabos um ein Drittel – bezahlter Digitalabos.

Mehr als die Hälfte ihres Umsatzes macht die Financial Times inzwischen nicht mit Werbung, sondern mit Erlösen von Usern der gedruckten und der digitalen Ausgabe. Früh schon setzte die Financial Times auf kostenpflichtige Inhalte auch im Netz. Sie hat eine dafür praktische Hauptzielgruppe: Manager und Unternehmer, deren Zugänge ihre Firma zahlt. Wie bei ihrem globalen Hauptkonkurrenten Wall Street Journal, das Medienmulti Rupert Murdoch übernommen hat. Samt dem Finanzinformationskonzern Dow Jones – noch ein Börsenindex, diesmal aus New York.

"Economist" nicht im Paket

Nikkei übernimmt mit der Financial Times und ihrer starken Webpräsenz FT.com auch Fachmedien wie The Banker und den Investor's Chronicle.

Nicht im Paket sind indes die 50 Prozent der FT Group am Economist. Pearson behält den Anteil an dem erfolgreichen Politik- und Wirtschaftswochenmagazin.

Nikkei ist die Kurzform von Nihon Keizai Shimbun, die größte Wirtschaftszeitung Japans. Eine äußerst gut informierte Zeitung – die allein in der jüngsten Börsensaison laut Bloomberg detaillierte Daten von gut 40 börsennotierten Unternehmen vor Bilanzveröffentlichung publizierte.

Der Umsatz der FT Group betrug 2014 472 Millionen Euro bei 34 Millionen Euro operativem Ergebnis. Die Nikkei-Mediengruppe setzt laut "Handelsblatt" jährlich rund 2,2 Milliarden Euro um.

Die FT ist übrigens nicht die erste Nikkei-Beteiligung in London: 2014 kaufte der japanische Konzern einen kleinen Anteil an Monocle – einem schicken Magazin von Tyler Brûlé. Der ist auch Kolumnist der Financial Times. (fid, 24.7.2015)

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