Amnesty: Iran richtet massenhaft Menschen hin

23. Juli 2015, 11:48
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Bis zu 1.000 Menschen könnten dieses Jahr exekutiert werden

Ungeachtet der politischen Annäherung des Iran an den Westen im Zuge des Atomdeals erreicht die Zahl der Hinrichtungen in der Islamischen Republik in diesem Jahr wohl einen Höchststand. Im ersten Halbjahr allein wurde an 694 Menschen die Todesstrafe vollzogen, berichtet die Menschenrechtsorganisation Amnesty International.

Selbst während des für Muslime heiligen Fastenmonats Ramadan wurden die Hinrichtungen fortgesetzt, vier Menschen wurden nach Amnesty-Angaben in dieser Zeit hingerichtet. "Die schwindelerregende Hinrichtungsbilanz des Iran zeichnet ein düsteres Bild der staatlich legitimierten Massentötung", sagt Said Boumedouha von Amnestys Nahost-Programm. "Die Todesstrafe ist immer verabscheuenswert. In einem Land wie dem Iran, wo die Gerichtsprozesse offensichtlich nicht fair sind, erregt sie noch mehr Besorgnis."

Kurden und Sunniten unter Verfolgten

Der Großteil der Hinrichtungen in diesem Jahr betraf Drogendelikte. Das iranische Recht schreibt die Todesstrafe für den Schmuggel von mehr als fünf Kilogramm Opiaten oder mehr als 30 Gramm Heroin, Morphium, Kokain oder deren Derivaten vor.

"Seit Jahren nutzen die iranischen Behörden die Todesstrafe, um ein Klima der Angst zu erzeugen. Es gibt aber nicht die Spur eines Hinweises, dass das Verbrechen dadurch bekämpft wird", kritisiert Boumedouha. Unter den Hingerichteten befänden sich zudem auch Angehörige ethnischer oder religiöser Minderheiten, die wegen "Feindschaft zu Gott" oder "Korruption auf Erden" verurteilt wurden. Kurdische Politiker und Sunniten sollen unter anderem davon betroffen sein. (red, 23.7.2015)

  • "Massenhaftes Töten".
    foto: reuters/raheb homavandi

    "Massenhaftes Töten".

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