Russland stationiert Atombomber auf der Krim

22. Juli 2015, 17:10
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Moskau antwortet auf den US-Raketenschild in Osteuropa mit der Verlegung strategischer Bomber und arbeitet an einem Hyperschallflieger

Die neue Runde des Wettrüstens in Osteuropa hat begonnen: Die Nato will ihre schnelle Eingreiftruppe um 27.000 Soldaten aufstocken und schweres Gerät wie Kampf- und Schützenpanzer im Baltikum, Polen und Rumänien auffahren. Russland plant die Stationierung von atomar bestückten Iskander-Raketen in seiner Ostsee-Exklave Kaliningrad.

Daneben soll nun auch die Krim an der Südflanke Russlands zum Waffenträger werden. Das russische Verteidigungsministerium hat Berichte über die bevorstehende Stationierung von Tu-22M-Bombern auf der von Russland annektierten Halbinsel bestätigt.

Raketenschild in Rumänien

"Backfire" heißen diese Tupolew-Bomber im Nato-Jargon. Nach russischer Darstellung ist auch ihre Verlegung eine "Backfire-Aktion", also die Antwort auf das Beharren der USA auf der Fertigstellung ihres Raketenschilds. Teile des Schirms sollen trotz der jüngsten Einigung mit dem Iran, gegen den das System sich ursprünglich richtete, in Rumänien aufgebaut werden. Russland sieht in dem Schild eine Bedrohung seiner eigenen Sicherheit, da er das militärische Gleichgewicht störe.

Die Tu-22-Staffel, zu der sich auf der Militärbasis Belbek auch Sukhoi- und Mig-Jäger gesellen, soll diese geplante Deckung nun aushebeln; über das Schwarze Meer sind es nur 400 Kilometer bis zur rumänischen Küste. "Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Gruppierung der Tu-22M3 später zu einem Geschwader aufgestockt wird", sagte ein Ministeriumssprecher.

Hyperschallflieger in Arbeit

Da die Tu-22 trotz ihrer Überschallgeschwindigkeit nicht unangreifbar ist, wie ein Abschuss durch eine Buk-Rakete während des Georgienkriegs 2008 demonstrierte, arbeitet Russland zudem verstärkt an der Entwicklung eines Hyperschallfliegers (das entspricht der fünffachen Schallgeschwindigkeit) unter dem Projektnamen "Objekt 4202".

Ein solcher Flieger löse für Russland die Aufgabe, "künftig jeden beliebigen Raketenschirm zu überwinden", zitiert die russische Nachrichtenagentur Interfax einen russischen Militärsprecher. Neu sind die Arbeiten an einem solchen Überschallflieger nicht. Zuletzt sollen sie aber verstärkt worden sein. So erfolgte der jüngste Test unbestätigten Berichten nach im Februar. Beim Militärforum "Armija-2015" im Juni, bei dem Präsident Wladimir Putin die Indienststellung von 40 neuen Interkontinentalraketen bei den Atomstreitkräften ankündigte, wurde zudem "Objekt 4202" im engen Kreis präsentiert.

Die neue Konfrontation zwischen Russland und dem Westen hat sich an der Ukraine entzündet. Moskau wirft der EU und den USA Einmischung in die inneren Angelegenheiten beim Sturz von Ex-Präsident Wiktor Janukowitsch vor, Brüssel und Washington verurteilen ihrerseits den russischen Anschluss der Krim als Annexion und werfen dem Kreml die Destabilisierung der Ostukraine vor.

Lage im Konfliktgebiet bleibt angespannt

Im Donbass-Gebiet sind trotz des vor fünf Monaten vereinbarten Waffenstillstands nach wie vor schwere Waffen im Einsatz. Zwar haben sich die Konfliktparteien grundsätzlich über den Abzug von Artillerie und Panzern von der Front geeinigt, ein Abkommen sei aber nicht unterzeichnet worden, sagte OSZE-Vermittler Martin Sajdik.

Laut dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko soll das Abkommen über die Schaffung einer 30 Kilometer breiten Pufferzone entlang der Front aber schon in Kürze unterschrieben werden. Entsprechende Anweisungen habe er der ukrainischen Delegation erteilt. (André Ballin aus Samara, 22.7.2015)

  • Russische Bomber vom Typ Tu-22M sollen  auch auf der Krim stationiert werden – als Reaktion auf den  US-Raketenschild, so Moskau.
    foto: ap

    Russische Bomber vom Typ Tu-22M sollen auch auf der Krim stationiert werden – als Reaktion auf den US-Raketenschild, so Moskau.

  • Mitglieder einer russischen "Selbstverteidigungseinheit" feierten im März den ersten Jahrestag des Anschlusses  der Halbinsel  an Russland. Der Westen hält Russland vor, mit der Aktion das Völkerrecht gebrochen zu haben. Der Konflikt in der Ukraine hat auch ein neues Wettrüsten ausgelöst.
    foto: reuters/shemetov

    Mitglieder einer russischen "Selbstverteidigungseinheit" feierten im März den ersten Jahrestag des Anschlusses der Halbinsel an Russland. Der Westen hält Russland vor, mit der Aktion das Völkerrecht gebrochen zu haben. Der Konflikt in der Ukraine hat auch ein neues Wettrüsten ausgelöst.

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