Flüchtlingspolitik im Zentrum von Festreden

22. Juli 2015, 16:25
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Bundespräsident eröffnete 70. Bregenzer Festspiele

Bregenz – Was macht ein illegaler Einwanderer, wenn ihn Zahnschmerzen plagen? Im Asia-Restaurant "Der goldene Drache" greifen die Köche selbst zur Zange, um ihrem Kollegen zu helfen. Der ungarische Komponist Peter Eötvös hat Roland Schimmelpfennigs Sozialdrama Der goldene Drache vertont. Ein Video als Vorgeschmack zur österreichischen Erstaufführung des Musiktheaters konfrontierte die Festgäste bei der Eröffnung der 70. Bregenzer Festspiele mit der Thematik Migration und Flüchtlingspolitik.

Auch die drei Festredner, Festspielpräsident Hans-Peter Metzler, Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) und Bundespräsident Heinz Fischer, nutzten die Feierstunde, um an Offenheit und Toleranz zu appellieren.

Fischer erinnerte an den "wuchtigen Satz der Menschenrechtsdeklaration, wonach alle Menschen gleich an Rechten und Würde geboren sind". Diesen Satz gelte es im Umgang mit Flüchtlingen mit Leben zu erfüllen. Für seine Mahnung, es als Pflicht anzusehen, Flüchtlingen Menschenwürde zu gewähren, erhielt der Bundespräsident tosenden Zwischenapplaus.

Kunst und Kultur hätten geholfen, aus dem Schatten des Nationalsozialismus und aus der Dumpfheit von Nationalismen zu europäischer Zusammenarbeit zu kommen, erinnerte Ostermayer: "Sie werden in den nächsten Jahren nicht weniger wichtiger sein als in vergangenen Jahren."

Ostermayer zeigte sich besorgt über eine Wortschöpfung seines Ministerkollegen Sebastian Kurz (ÖVP), der Österreich in der Flüchtlingsfrage als "übersolidarisch" bezeichnet hatte. Ostermayer: "Der Begriff suggeriert, es könnte zu viel an Miteinander geben. Es kann aber nie zu viel an Solidarität geben." Schließlich seien Gerechtigkeit und Solidarität Basis für sozialen Frieden.

Mit dem Satz "Festspiele, die unsere Grundwerte festigen und unser Mitgefühl stärken, sind auf dem richtigen Weg" eröffnete Bundespräsident Heinz Fischer am Mittwoch die diesjährigen Bregenzer Festspiele. Im Zentrum der ersten Saison von Intendantin Elisabeth Sobotka steht als Seeaufführung Puccinis Oper Turandot (Regie: Marco Arturo Marelli) und im Haus Jacques Offenbachs Hoffmanns Erzählungen, inszeniert von Stefan Herheim. (jub, 22.7.2015)

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