Österreich hat im globalen Vergleich die doppelte Erwärmungsrate

22. Juli 2015, 19:32
482 Postings

Höchstwerte von 35 bis 40 Grad keine Ausnahme mehr

Wien – Mit 38,9 Grad Celsius hat sich laut Wetterdienst Ubimet im nächsten Höhepunkt der sommerlichen Hitzewelle am Mittwoch Gars am Kamp vorläufig an die Spitze gesetzt. In Niederösterreich wurde somit der bisher heißeste Tag des Jahres gemessen.

Auf der Wiener Hohen Warte wurden laut Zamg 36,5 Grad gemessen, womit sich die Hauptstadt im Ranking auf dem insgesamt achten Platz findet. Der kühlste Messpunkt in Österreich war hingegen Tiroler Brunnenkogel mit 11,9 Grad, der sich allerdings in über 3.000 Meter Höhe befindet, 34,3 Grad hatte es hingegen in Imst.

Greenpeace: Solche Sommer werden Normalität

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat am Mittwoch zum Höhepunkt der Hitzewelle vor einem häufigeren Auftreten derartiger Wetterextreme in Österreich gewarnt. "Solche Sommer werden in Zukunft die Normalität. Höchstwerte von 35 bis 40 Grad sind bald keine Ausnahme mehr", bestätigte schließlich Klimatologe Alexander Orlik von der ZAMG.

Der Grund dafür ist, dass sich das Temperaturniveau in Österreich seit Mitte der 1980er-Jahre um bis zu zwei Grad Celsius erhöht hat und daher die ident gebliebenen Temperaturschwankungen auf einem höheren Niveau stattfinden. Österreich hat im globalen Vergleich dabei die doppelte Erwärmungsrate zu verzeichnen. "Während die Temperaturen weltweit im Schnitt um 0,8 Grad angestiegen sind, sind es in Österreich 1,6 bis zwei Grad", erläuterte der Klimatologe.

Mehr Sonnenstunden und Hochdruckgebiete

Die Begründung liegt darin, dass der Temperaturanstieg in Österreich nur zum Teil durch die Wirkung von Treibhausgasen wie Kohlendioxid oder Methan zu erklären sind, denn zusätzlich gibt es hierzulande mehr Sonnenstunden und Hochdruckgebiete. Ob letzteres langfristig so bleibt, ist jedoch ungewiss, so Orlik.

Tatsache ist, dass die Zunahme des CO2-Gehalts in der Atmosphäre auf den Menschen zurückzuführen ist, und dieser Anstieg wiederum "ein großer Beitrag auf das Klimageschehen ist, der viele andere Prozesse in Gang setzt", sagte Orlik. Durch die Erwärmung und das daraus resultierende Abschmelzen von Polkappen und Gletschern nimmt bekanntlich die Rückstrahlfähigkeit der Erde ab, wodurch mehr Strahlung auf den Planeten trifft, was dann zur Erwärmung führt.

Klimaziele "in Paris vehement einfordern"

Greenpeace weist in diesen Zusammenhang unter Hinweis auf den österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel darauf hin, dass sich ohne eine wirksamere Klimaschutzpolitik die Anzahl der Hitzetage von derzeit 15 auf 45 bis 50 im Jahr 2100 erhöhen dürfte. "Die EU muss sich bis zur Klimakonferenz im November auf einen Stopp des Anstiegs von Treibhausgasemissionen einigen und diesen in Paris vehement einfordern", forderte Adam Pawloff, Klima- und Energiesprecher bei Greenpeace Österreich.

Die zunehmende Erwärmung zeitigt jedenfalls negative Folgen, wie etwa eine erhöhte Sterblichkeit: "Unter der Annahme eines starken Klimawandels werden zwischen 2016 und 2045 jährlich bis zu rund 1.200 Hitzetote erwartet – zwischen 2036 und 2065 bis zu rund 3.000.

"Eine Abschätzung für extreme Hitzejahre des moderaten Klimaszenarios der Periode 2036–2065 ergibt eine Verdoppelung hitzebedingter Todesfälle", heißt es etwa in einem Fact-Sheet des 2011 gegründeten "Climate Change Centre Austria" (CCCA), dem zahlreiche Unis und Forschungseinrichtungen angehören und das sich mit Klimaforschung in Österreich beschäftigt. (APA, 22.7.2015)

  • Wetterextreme wie längere Hitzewellen werden in Zukunft öfter auftreten, warnen Experten.
    foto: apa/dpa/fredrik von erichsen

    Wetterextreme wie längere Hitzewellen werden in Zukunft öfter auftreten, warnen Experten.

Share if you care.