Warum PZ Myers von der Suche nach Aliens gar nichts hält

22. Juli 2015, 15:44
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Streitbarer Evolutionsbiologe betrachtet Versuche zur Kontaktaufnahme als Verschwendung von Zeit, Geld und Geist

Leser der Klicktipp-Rubrik kennen den US-amerikanischen Evolutionsbiologen Paul Zachary "PZ" Myers mittlerweile sehr gut. In seinem Blog "Pharyngula" zieht er regelmäßig gegen Aberglauben und Pseudowissenschaften zu Felde. Insbesondere Kreationismus nimmt er gerne in ebenso scharfer wie sachlicher Weise ins Visier.

Ein Skeptiker durch und durch

Seine Positionen sind erwartbar, aber der Mann kann auch überraschen – obwohl bzw. weil er sich selbst treu bleibt. Myers' skeptische Grundhaltung gilt konsequenterweise nämlich auch für Themen, die von den meisten mit deutlich freundlicheren Augen betrachtet werden als beispielsweise christlich-fundamentalistische Angriffe auf die Evolutionstheorie oder homöopathische Geschäftemacherei.

Im konkreten Fall: die Suche nach intelligentem außerirdischem Leben. Die hat gerade erst eine aufsehenerregende 100-Millionen-Dollar-Finanzierungsspritze durch den russischen Milliardär Juri Milner erhalten. Milner konnte sogar Physik-Star Stephen Hawking für das Projekt gewinnen. Eine erstaunliche Kehrtwendung eigentlich – warnte Hawking doch vor einigen Jahren noch vor unüberlegten Kontaktversuchen zu hypothetischen Außerirdischen: Man wisse ja nie, wie eine womöglich technologisch überlegene Spezies so drauf sei, und solle daher besser den Ball flach halten.

Sechs Gründe

Myers jedenfalls hat seine eigenen Gründe, warum er vom SETI-Projekt (der "Search for extraterrestrial intelligence") und ähnlichen Initiativen nichts hält. Und die Begeisterungsfähigkeit von Wissenschaftern und wissenschaftlich Interessierten für dieses Thema ist gleich einer davon: Es verwandle kluge Wissenschafter in geistlose, simplistische Dummköpfe, um Myers' Worte zu verwenden.

Andere Gründe: Das aufgewendete Geld natürlich, Bedenken angesichts des Wesens potenzieller außerirdischer Zuhörer (ganz gemäß Hawkings früherer Linie) und Zweifel daran, dass die Menschheit bereit dafür ist, mit einer anderen Zivilisation zu kommunizieren. Hat sie es doch noch nicht einmal gelernt, mit ihrem eigenen Planeten umsichtig und nachhaltig umzugehen. Und der ernüchterndste Grund von allen: Die Suche würde sowieso zu keinem Ergebnis führen. Glaubt zumindest Myers.

PZ Myers' sechs Gründe, SETI nicht zu mögen, sind in seinem Blog in ausführlicher Weise nachzulesen:

--> Pharyngula: "Six reasons that I really don't like SETI"

(jdo, 22. 7. 2015)

  • Am PZ Myers exakt entgegengesetzten Ende des Meinungsspektrums befindet sich der Astronom Frank Drake, hier als Ehrengast beim Launch des Videospiels "Spore". Drake ist der Langzeit-Präsident des SETI-Projekts und hat schon vor über einem halben Jahrhundert eine Gleichung entwickelt, mit der sich die Anzahl möglicher außerirdischer Zivilisationen in der Milchstraße abschätzen lassen soll.
    foto: reuters/kimberly white

    Am PZ Myers exakt entgegengesetzten Ende des Meinungsspektrums befindet sich der Astronom Frank Drake, hier als Ehrengast beim Launch des Videospiels "Spore". Drake ist der Langzeit-Präsident des SETI-Projekts und hat schon vor über einem halben Jahrhundert eine Gleichung entwickelt, mit der sich die Anzahl möglicher außerirdischer Zivilisationen in der Milchstraße abschätzen lassen soll.

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