US-Senator nimmt in Gewahrsam gestorbene Schwarze in Schutz

22. Juli 2015, 15:58
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Eine 28-Jährige wurde im US-Bundesstaat Texas verhaftet, nachdem sie vergessen hatte, zu blinken – nach drei Tagen war sie tot in ihrer Zelle

Hempstead/Wien – "Ich werde dich anzünden", schrie der Polizist der 28-jährigen Sandra Bland ins Gesicht, als sie sich weigerte, aus dem Wagen zu steigen. Dabei hielt er ihr einen Taser vor die Nase.

Eigentlich hatte der Beamte die junge Afroamerikanerin im US-Bundesstaat Texas angehalten, weil sie nicht geblinkt hatte. Die Amtshandlung eskalierte, der Polizist verhaftete die Frau, und drei Tage später wurde sie erhängt in ihrer Zelle gefunden.

Am Dienstag veröffentlichte nun das Texas Department for Public Safety das Material der Videokamera aus dem Polizeiwagen des Beamten. Zu sehen ist der Polizist, wie er den Strafzettel für Bland schreibt, die in ihrem Wagen sitzt. "Würden Sie Ihre Zigarette ausdämpfen?", fragt der Beamte schließlich. "Ich befinde mich in meinem eigenen Wagen. Ich muss sie nicht ausdämpfen", so die Antwort der Frau.

Daraufhin fordert der Polizist die 28-Jährige auf, aus ihrem Auto zu steigen. Sie weigert sich und fragt nach dem Grund für die Forderung. "Ich werde Sie rauszerren", ruft der Beamte schließlich, bevor er den Taser zieht. Nachdem Bland aus dem Wagen ausgestiegen ist, gehen die beiden Personen aus dem Blickfeld der Kamera. Zu hören sind eine heftige verbale Auseinandersetzung und ein Handgemenge. "Ich habe Epilepsie", hört man die junge Frau rufen. "Gut", die Antwort des Polizisten.

texas department of public safety
Das Video entstand bei der Verhaftung von Sandra Bland.

Fehlende Fakten im Bericht

In dem Bericht des Beamten zur Amtshandlung, der ebenfalls am Dienstag veröffentlicht wurde, findet sich weder ein Hinweis auf den Streit über die Zigarette, noch wird der Taser erwähnt. Hingegen beschreibt der Polizist, dass sich die Frau unter anderem mit Tritten gewehrt und ihn am rechten Bein und an der Hand verletzt habe. Das Video belegt diese Darstellung nicht – die beiden Beteiligten sind aber auch nicht immer zu sehen.

Der Tod der jungen Frau in ihrer Zelle wurde von der Gefängnisleitung als Selbstmord gehandelt. Tatsächlich belegen Aufnahmen der Überwachungskamera im Gefängnis, dass eineinhalb Stunden vor dem Fund der Leiche kein Gefängnismitarbeiter vor der Zelle der Frau gewesen war. Dennoch wird der Fall "wie ein Mord" untersucht, wie der Bezirksstaatsanwalt am Dienstag erklärte. Es gebe "zu viele offene Fragen".

Geschnittenes Video

Mit der Veröffentlichung des Videos wurde auch die Kritik an der Verhaftung der jungen Frau laut. So erklärte der Direktor der Polizeibehörde, dass der Beamte die Vorgehensweise bei Verhaftungen verletzt habe. Royce West, Senator aus Texas, sagte, dass Bland niemals hätte verhaftet werden sollen.

Auch in den sozialen Medien wurde gegen das Vorgehen des Polizisten protestiert. Außerdem wurden Zweifel an dem veröffentlichten Verhaftungsvideo laut. Unter anderem wies die Filmemacherin Ava DuVernay darauf hin, dass "jeder sehen kann, dass dieses Video bearbeitet worden ist. Warum?" Tatsächlich ist zu erkennen, dass der Fahrer des Abschleppwagens sein Fahrzeug dreimal hintereinander verlässt.

Mehrere Fälle tödlicher Polizeigewalt

Der Tod von Bland ist einer von zahlreichen Fällen von Polizeigewalt gegen Schwarze in den vergangenen Monaten in den USA. So auch in der Nacht auf Sonntag, als ein 43-jähriger Schwarzer von einem Polizisten in Ohio erschossen wurde. Das berichtete CNN am Mittwoch. Bei einer Polizeikontrolle war es zu einem Handgemenge gekommen, und der Polizist schoss dem offenbar unbewaffneten Mann in den Kopf. (bbl, 22.7.2015)

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