"Krebsgen" verringert Metastasenbildung bei Prostatakrebs

22. Juli 2015, 13:54
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Ein für das Krebswachstum verantwortliches Gen spielt beim Prostatakrebs eine völlig andere Rolle als erwartet, wie Forscher herausgefunden haben

Wien – 143.000 Männer leben in Österreich mit der Diagnose Krebs, 55.000 davon leiden an einem Prostatakarzinom. "Unser Studie kehrt das Bild von den Mechanismen, die zum aggressiven Wachstum von Prostatakarzinomen führen, um", meint der Lukas Kenner vom Ludwig Boltzmann Institut für Krebsforschung in Wien, der die Untersuchung gemeinsam mit Kollegen vom Klinischen Institut für Pathologie der MedUni Wien am AKH durchgeführt hat.

Interleukin-6 (IL-6) ist ein wichtiges Zytokin, das Wachstum und Überleben von Tumorzellen kontrolliert. Ein hyperaktives IL-6 wird allgemein als krebsfördernd angesehen, vor allem weil es im IL-6-Signalweg STAT3 steuert, das in den meisten Tumoren als Onkogen bekannt ist. Viele Therapien zielen daher auf eine Suppression (Unterdrückung; Anm.) von IL-6 oder STAT3 ab.

Genau umgekehrt

Beim Prostatakrebs verhält es sich allerdings anders: Die Forscher haben nun herausgefunden, dass – entgegen der bisherigen Annahme – ein aktives STAT3 bei Prostatatumoren das Zellwachstum unterdrückt. Es aktiviert das Gen P14ARF, das die Zellteilung der Tumorzellen blockiert und so das Tumorwachstum hemmt.

"Unter Verwendung von knockout-Mäusen, die ein präklinisches Modell für Prostatakarzinome darstellen, konnten wir eine Verbindung zwischen dem IL-6/Stat3- und ARF-Signalweg herstellen, der für die Metastasierung von Prostatakarzinomen verantwortlich ist", erklärt Jan Pencik, Hauptautor der Studie.

Neue Biomarker

Demnach eignen sich STAT3 und P14ARF als Biomarker für eine Prognose der Krankheitsentwicklung. Wenn diese beiden Faktoren in Gewebeproben fehlen, erhöht sich die Gefahr massiv, dass der Tumor wächst und Metastasen bildet, so die Wissenschafter. "Die Vorhersagekapazität dieser Proteine als Biomarker ist doppelt so gut wie der bisherige Gold-Standard", ist Lukas Kenner überzeugt.

Da nur etwa zehn Prozent aller an Prostatakarzinom erkrankten Patienten an dem Tumor sterben, lassen sich so unnötige Operationen vermeiden, die schwere Nebenwirkungen wie Inkontinenz und Impotenz verursachen können. Eine darauf basierende nuklearmedizinische Untersuchungsmethode könnte die schmerzhaften operativen Gewebeentnahmen zur Untersuchung bald ersetzen.

Rezeptorblocker können Prostatakrebs fördern

Die umgekehrte Rolle von Interleukin-6 als Hemmer des Prostatakarzinoms hat noch eine andere Bedeutung. Eine Blockade von Interleukin-6 wird bei Behandlungen von Krankheiten angewendet, etwa zur Behandlung der Rheumatoiden Arthritis.

"Unsere Studienergebnisse legen nahe, dass Krankheitsbehandlungen, die den IL-6-Signalweg blockieren, als Begleiterscheinung das Wachstum von Prostatakrebs fördern könnten", sagt Kenner. Der Wirkstoff, der zur Therapie einer entzündlichen Krankheit eingesetzt wird, fördert also die Entstehung einer anderen, möglicherweise bösartigen.

"Aus diesem Grund raten wir zur Vorsicht, IL-6/Stat3-Inhibitoren in der klinischen Praxis bei Patienten mit tumorösen Erkrankungen einzusetzen. Weitere Studien wären jetzt notwendig, um das Karzinomrisiko dieser Substanzen abzuklären", sagt Helmut Dolznig von der MedUni Wien. (red, 22.7.2015)

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