Wenn der GIS-Mann zehnmal klingelt

22. Juli 2015, 14:00
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Etat-Redakteurin Sandra Čapljak über ihre Erfahrungen mit einem GIS-Berater

Wien – Wie ist es, wenn der "Berater" von der ORF-Gebührentochter GIS klingelt und nach Gründen sucht für Rundfunkgebühren?

Betretungsverbot

Ein Grund, Gebühren zu zahlen, ist laut Gesetz ein betriebsbereites, stationäres Rundfunkempfangsgerät – und darunter fallen seit der Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs PCs und Laptops jedenfalls nicht. Und weil es um stationäre Geräte geht, Handys schon gar nicht.

Die GIS-Berater dürfen bisher laut Gesetz die Wohnung auch nicht betreten, außer man bittet sie herein. Das Verbot gereicht der GIS nicht gerade zur Freude. Das war auch einer der Gründe, warum Etat-Redakteurin Sandra Čapljak der GIS schon skeptisch gegenüberstand, als der GIS-Mann noch nicht zehn Mal geklingelt hatte. Hier ihr Erfahrungsbericht aus dem Gedächtnis, über zwei Visiten – vor neun und vor etwa eineinhalb Jahren:

Wenn der GIS-Mann zehn Mal klingelt

Meine negative Grundeinstellung gegenüber der GIS rührt noch aus der Zeit vor dem ersten Besuch eines Mitarbeiters. Ich hatte von – durchaus übertriebenen – Geschichten gehört, in denen sich GIS-Männer handgreiflich Zutritt zur Wohnung verschafft hatten.

Damals war ich gerade in meine neue Studentenwohnung gezogen und hatte nur mein Handy zur alltäglichen Berieselung. Ich erinnere mich, dass ich ziemlich hektisch an dem Morgen war, weil ich zu einem Seminar musste und sowieso verschlafen hatte – wie es damals so oft der Fall war.

Es klingelt.

Ein älterer Herr steht vor der Tür. Zeigenderweise hält er mir schon seinen Ausweis vor die Nase.

"Ja, bitte?"

"GIS. Haben Sie Fernseher oder Radio im Haus?"

"Ich bin gerade eingezogen und hab nur ein Handy."

"Das hat ja auch Radio drauf."

"Ja und? Ich hör ja nicht Radio über mein Handy."

"Trotzdem sollten Sie das anmelden. Sind Sie Studentin?"

"Ja …"

"Studenten können sich ja von der GIS befreien lassen. Aber anmelden sollten Sie das trotzdem."

Im Endeffekt habe ich mein Handy, mit dem ich nicht Radio höre, auch nicht angemeldet.

Die zweite Visite

Ein paar Jahre später klingelte es erneut penetrant an der Tür.

Diesmal hatte ich einen Laptop zu Hause. Und natürlich auch ein Handy.

"Guten Tag. Ich komme von der GIS und wollte nachfragen …"

"Ich hab nichts", unterbrach ich den netten Herrn von der GIS barsch, während er schief in meinen Vorraum schielte, als könnte er seinen Job nur dadurch sachgemäß verrichten.

"Sind Sie sich sicher? Sie können auch eine Nachzahlung leisten, das wäre nicht schlimm."

"Ich habe einen Laptop."

"Den sollten Sie auf jeden Fall anmelden!"

"Weil Youtube durch die GIS finanziert wird?"

"Sie können ja auch darüber fernsehen und Radio hören! Nicht, dass Sie später Probleme deshalb bekommen. Soll ich Sie aufschreiben?"

"Nein!" – Herzrasen – "Danke, ich meld ihn irgendwann später an."

"Sind Sie sicher? Ich kann das hier ganz schnell erledigen …"

"Danke."

(Sandra Čapljak, 22.7.2015)

Links und Nachlese

Rundfunkgebühr zurück – wenn man GIS glaubhaft alleinigen Web-Empfang vermitteln kann

Verwaltungsgericht: Keine Rundfunkgebühr für Internet-Empfang


Was haben Sie schon mit der GIS und ihren Beratern erlebt?

Das eine oder andere Erlebnis mit Beratern der GIS haben Userinnen und User schon gepostet zu unseren Berichten über die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs über Gebührenpflicht und Web-Empfang und über den Umgang der GIS mit Rückzahlungsforderungen. Haben Sie einschlägige Erfahrungen?

  • Ein Muster-Mitarbeiterausweis der GIS, nicht mehr ganz neu. Man muss die Berater der ORF-Tochter nicht hereinlassen.
    foto: orf-gis/montage

    Ein Muster-Mitarbeiterausweis der GIS, nicht mehr ganz neu. Man muss die Berater der ORF-Tochter nicht hereinlassen.

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