Eurotunnel will wegen Flüchtlingen fast zehn Millionen Euro

22. Juli 2015, 11:49
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Höhere Ausgaben wegen Ansturms von Migranten

Paris – Wegen des Flüchtlingsansturms am Tunnel unter dem Ärmelkanal verlangt die Betreibergesellschaft Eurotunnel von Frankreich und Großbritannien Entschädigungen von fast zehn Millionen Euro. Bereits im ersten Halbjahr 2015 seien 13 Millionen Euro für Sicherheitsmaßnahmen ausgegeben worden, erklärte das Unternehmen am Mittwoch. Das sei so viel wie im gesamten vergangenen Jahr.

Die Verträge würden vorsehen, dass ein Teil dieser Kosten von den Staaten übernommen werden könnten.

Im nordfranzösischen Calais, in dessen Nähe sich der Eingang zum Eurotunnel befindet, sind tausende Flüchtlinge gestrandet. Sie wollen auf Fähren oder durch den Tunnel nach Großbritannien gelangen, wo sie auf ein besseres Leben hoffen.

Flüchtlinge sterben in Tunnel

In den vergangenen Wochen starben mehrere Flüchtlinge, als sie versuchten, den Tunnel etwa an Bord von Güterzügen zu passieren. Die Betreibergesellschaft des Eurotunnels hat unter anderem neue Barrieren errichtet, um Flüchtlinge vom Tunnel fernzuhalten.

Eurotunnel verlangt nun 9,7 Millionen Euro von Frankreich und Großbritannien. Die britische Regierung habe bereits die Zahlung von 4,7 Millionen Euro für das gesamte laufende Jahr zugesagt, erklärte das Unternehmen. Die geforderten 9,7 Millionen Euro gehen zu zwei Dritteln auf erhöhte Sicherheitsaufwendungen zurück und zu einem Drittel auf Verspätungen und Zugausfälle infolge von zum Tunnel vordringenden Flüchtlingen.

Eurotunnel-Chef Jacques Gounon warf den französischen Behörden vor, die Zahl der Flüchtlinge in Calais zu niedrig anzugeben und nicht ausreichend Polizisten einzusetzen. Das Innenministerium habe die Zahl der Migranten, die in einem als "Dschungel" bekannten improvisierten Flüchtlingslager leben, mit 2.000 angegeben. "Vor Ort wissen alle, dass es eher 5.000 sind", sagte Gounon. (APA, AFP, 22.7.2015)

  • In den vergangenen Wochen starben mehrere Flüchtlinge, als sie versuchten, den Tunnel etwa an Bord von Güterzügen zu passieren.
    foto: reuters/christian hartmann

    In den vergangenen Wochen starben mehrere Flüchtlinge, als sie versuchten, den Tunnel etwa an Bord von Güterzügen zu passieren.

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