Start-Up-Boom in Kenia: Aber "Silicon Savannah" fehlt das Geld

22. Juli 2015, 09:47
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Regierung hofft, dass Informations- und Kommunikationstechnologie bis 2017 zehn Prozent zum BIP beiträgt

In Kenia schießen neue High-Tech-Unternehmen wie Pilze aus dem Boden. Die Regierung will das Land zu einem neuen Silicon Valley machen. Aber vielen Jungunternehmern fehlt das Geld.

In einem Großraumbüro in Nairobi sitzen Dutzende junge Kenianer über ihre Laptops gebeugt, zur Ablenkung steht Tischfußball. Viele von ihnen arbeiten an neuen Apps fürs Smartphone – sie sollen bei der Haussuche helfen oder Rettungsdienste alarmieren. Schon mehr als 16.000 virtuelle Mitglieder sind über die High-Tech-Brutstätte "iHub" organisiert. "Wie jedes andere Entwicklungsland müssen wir viele Probleme lösen. Da gibt es viele Möglichkeiten für Start-Up-Unternehmen," sagt Sheilah Birgen. Sie betreut den "Pivot East"-Talentwettbewerb, an dem jedes Jahr Hunderte neue High-Tech-Unternehmen teilnehmen.

Immer mehr Neugründungen

Nach dem Erfolg des mobilen Geldübermittlungssystems "Mpesa" und der "Ushahidi"-App, die bei den Aufständen nach den Wahlen von 2007 die Krisenherde anzeigte, hat das ostafrikanische Land in den vergangenen fünf Jahren immer mehr Neugründungen erlebt. Jetzt will es Südafrika als führendem Technologieland des Kontinents Konkurrenz machen. In Anlehnung an das Silicon Valley im US-Staat Kalifornien reden einige von einem "Silicon Savannah".

Die kenianische Regierung hofft, dass die Informations- und Kommunikationstechnologie bis 2017 zehn Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) beiträgt. Derzeit sind es rund drei Prozent. Das "iHub" ist mit der Hilfe von internationalen Unternehmen wie Google und Oracle eingerichtet worden und bietetSoftware-Entwicklern kostenloses Internet und einen Treffpunkt zum Brainstorming.

Investoren angezogen

Seit ein Glasfaserkabel unter dem Meeresboden 2009 das Hochgeschwindigkeitsinternet nach Kenia brachte, hat das Land viele bekannte Investoren der Technikwelt angezogen. Das US-Softwareunternehmen IBM eröffnete sein erstes Forschungszentrum in Nairobi mit Zuschüssen der Regierung.

Die führenden Universitäten der Hauptstadt haben Technologielabore, und die Regierung will 1,3 Millionen Laptops für Schulen bereitstellen. Zudem plant sie, jedes Jahr 50 neue Start-Ups zu finanzieren und ausländische Investoren mit Steuervergünstigungen anzulocken. Gleichzeitig investiert das Land 13 Mrd. Euro in das Vorzeigeprojekt "Konza Techno City", eine hochtechnisierte Stadt, die in der Nähe von Nairobi entstehen und Zehntausende Arbeitsplätze schaffen soll.

Im "iHub" will Awil Osman (24) eine Webseite namens "Sumuni" ("Fünf Cent") einrichten, über die man alles leihen kann, was man nur selten braucht, wie etwa Bohrer, Zelte oder sogar Räumlichkeiten. "Manchmal versucht man, ein Problem für sich selbst zu lösen und merkt dabei, dass alle anderen dasselbe Problem haben", sagt Osman. Seine Idee entstand bei dem Versuch, einen Staubsauger auszuleihen.

Zum Erfolg der Start-Ups tragen auch Unternehmen wie "Nailab" bei, das jedes Jahr eine Reihe von Neugründungen mit Geld, Räumen und technischer Betreuung unterstützt und dafür im Gegenzug einen zehnprozentigen Kapitalanteil erhält. Sein Mitbegründer Joshua Mutua (23) hat die App "Kejahunt" entwickelt, die seit Jänner über 1.800 Häuser und Wohnungen an Niedrigverdiener vermittelt hat.

Erfolgsgeschichten

"Kejahunt" ist inzwischen so gefragt, dass Mutua den Dienst nun auch in anderen Städten wie Mombasa und Kisumu anbieten will. Aber ihm fehlen die dafür nötigen 46.000 Euro. In einem Entwicklungsland, in dem High-Tech noch relativ neu ist, könne man die Investoren an einer Hand abzählen, sagt Mutua.

Eine Erfolgsgeschichte ist auch das Start-Up-Unternehmen "Totohealth". Als Produkt des Technologiezentrums "m:lab" hilft der SMS-Dienst jungen und werdenden Müttern bei Gesundheitsfragen. Finanziert wird er von den regionalen Behörden und von Nichtregierungsorganisationen. Außerdem können die Mütter über den Dienst Windeln und Sterilisierungszubehör für Babysachen kaufen – Dinge, die auf dem Land nur schwer zu bekommen sind.

Die meisten Start-Ups sind für Risikokapitalanleger zu klein. Wer Existenzgründer unterstützt, wolle dagegen schnelle und garantierte Profite für sein Geld, erklärt Harry Hare, der Manager von DEMO Africa, das Start-Ups mit Investoren in Kontakt bringt. Die meisten Unternehmen müssten sich aber noch immer über ihre Nutzer finanzieren, beklagt App-Erfinder Mutua. (APA, 22.7.2015)

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