Jay-Jay Johansons neues Album "Opium"

24. Juli 2015, 10:32
2 Postings

Wenn Kerzen ohne Feuer zerrinnen. Jay-Jay Johanson veröffentlicht sein Album "Opium". Let's schmacht!

Der Mann ist konsequent. Ende der 1990er tauchte da dieser Schwede auf, blond, logisch, Jay-Jay Johanson mit Namen, und produzierte die prächtigsten Schlaftabletten für Hammer, Amboss und ... schnarch. Kleine Balladen auf damals noch Trip-Hop-Beats genannten Rhythmen über Herzeleid und Sehnsucht. Dargebracht hat er sie mit zart bitterer, an der Grenze zum Gewinsel angesiedelten Stimme des schlechten Gewissens. Man verliebte sich sofort in seine Musik. In ihr wurden noch die größten Gemeinheiten mit großer Unschuld vermittelt: eine Ballade wie She's Mine But I'm Not Hers als Machostatement, für das ihn jede Dame in die Arme nehmen wollte. Alter Schwede.

Seit damals ist bei Ikea viel Holzsubstitut verleimt worden, Jay-Jay wurde zumindest zu Hause so etwas wie ein Star und hat ein gutes Dutzend Alben veröffentlicht. Die muss man nicht alle kennen, Tattoo von 1999 aber, meine Damen und Herren! Und auch 2006 ruhte der Scheinwerfer kurz auf ihm, als er mit den Elektronikern von The Knife zusammen auf deren Single Marble House seine Stimme erhoben hat.

Nun hat er wieder einmal den Laptop angeworfen, sein Musikprogramm gestartet und die Schlurfbeats abgerufen. Zwar nimmt man ihm den Jungmännerschmäh heute schon altersbedingt nicht mehr ab, der Mann ist Mitte 40. Aber wenn er zu angetäuschten und abgebremsten Bossa-Rhythmen wie in Be Yourself zu schmachten beginnt, zerrinnt die Kerze auch ohne Feuer.

Immer erschöpft

Als Albumtitel hat er sich Opium ausgedacht. Schön. Das passt. Seine Musik klingt immer leicht verschwommen, vermeintlich deliriös, slow. Zwar erschreckt er auf Opium mit einem nachgerade rockenden Lied, Moonshine, doch der bessere Rest steht mit beiden Beinen auf der Bremse, lässt gerade so viel Aufregung zu, wie nötig ist, um sich erschöpft zu fühlen. In diesem Fach hat es Jay-Jay zur Meisterschaft gebracht. Da sehen wir ihm sogar die verfremdeten Stimmen in NDE nach. Die wirken ein bisschen zwänglerisch, sollen wohl Modernität suggerieren, klingen dabei aber bloß altbacken. Jay-Jay Johanson hat derlei Kinderkram nicht notwenig. Und jetzt schmachte! (flu, 24.7.2015)

  • Jay-Jay Johanson: "Opium" / Kwaidan Records
    foto: kwaidan records

    Jay-Jay Johanson: "Opium" / Kwaidan Records

Share if you care.