Lacrosse: Keine Außerirdischen in der U-Bahn

22. Juli 2015, 09:51
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Lacrosse ringt in Österreich um Anerkennung, Präsenz und Geld – aber das mit Leidenschaft

Wien – Pressekonferenzen gibt es viele, und Journalisten können nicht auf allen großen Hochzeiten tanzen. Aber es gibt auch kleine Hochzeiten. Mit wenigen Gästen. Nur ein einziger Gast ist eher selten. Aber der Österreichische Lacrosse-Verband (ÖLaxV) ist ein sehr kleiner Verband. So klein, dass er nicht zu den 60 von der Bundes-Sportorganisation anerkannten Verbänden zählt. Das hat der STANDARD quasi exklusiv erfahren. Und nicht nur das.

Lacrosse, da muss man von vorne anfangen, basiert auf einem von nordamerikanischen Ureinwohnern entwickelten Spiel. Ein Mannschaftssport mit dem Ziel, einen tennisballgroßen Hartgummiball mit einem Schläger ins Tor zu befördern. Quasi die Sommervariante von Eishockey. Kanada und die USA sind dominant. In Europa sind die Briten die Besten. Und Österreich? Ein Damen-Nationalteam, eine Nationalmannschaft (Herren), eine Damen-Liga mit vier Vereinen, eine Herren-Liga mit fünf Vereinen – und, genau, der ÖLaxV.

Alles da. Nur das Geld fehlt. Weil nicht anerkannt, weil die Breite fehlt. 300 Spieler gibt es landesweit. Die Mittel werden gleichmäßig zwischen Damen und Herren aufgeteilt. "Wir kriegen beide nix", sagt Richard Hauer junior. Er ist neuer Trainer des Herrenteams. Der exklusiv ausgehändigte Lebenslauf sagt, dass Hauer (33) kompetent ist. Lange Zeit war er Kapitän des Teams, bei mehreren Aufenthalten in Texas übte er sich als Coach. Davor hatte die Mannschaft amerikanische Trainer.

foto: richard hauer senior
Körperkontakt ist im Lacrosse keine Ausnahme.

Familienbetrieb

Lacrosse in Österreich ist quasi ein erweiterter Familienbetrieb. Richards Vater, Richard Hauer senior, ist Manager der Herren. Klaus Hauer, Richards Bruder, Richards Sohn, spielt als Angreifer. Warum ihm der Sport taugt? "Du kannst dich austoben." Trainingszeiten zu bekommen, ist nicht einfach. Man konkurriert mit Fußballern. Hat man keinen Platz, nimmt man eine Wand und drischt Bälle dagegen. Wo das geht? "Überall, so lange bis man vertrieben wird", sagt Richard Hauer junior.

Seit zehn Jahren gibt es den österreichischen Verband. Europa- und Weltmeisterschaften werden mehr oder weniger regelmäßig beschickt. Bei der letzten WM, 2014 in Denver, belegten die Herren Platz 28 von 38 Nationen. Das Potenzial sei nicht ausgeschöpft worden. Man war nicht in Bestbesetzung am Start. Die Reisekosten will/kann sich nicht jeder leisten. Hauer senior: "Wir müssen alles auf die Spieler abwälzen."

Teure WM

Weil Denver teuer war, ließ man die EM zwei Jahre davor in Amsterdam aus. Die nächste EM steigt in Gödöllo, Ungarn, in einem Jahr. Zumindest die Fahrtkosten werden sich in Grenzen halten. Die gezielte Vorbereitung beginnt schon jetzt, mit Trainingscamps und Turnieren. Das Herrenteam habe sich in den vergangenen Jahren positiv entwickelt. Die Damen stehen etwas besser da, wurden bei der WM 2013 in Kanada 13. Die EM in Prag (6. bis 16. August) steht vor der Tür.

Und wo soll Lacrosse Österreich in zehn Jahren stehen, will der STANDARD quasi exklusiv wissen. Richard junior überlegt, dann sagt er: "Wenn ich in der U-Bahn mit Lacrosse-Schläger unterwegs bin, will ich nicht wie ein Außerirdischer angesehen werden." (Birgit Riezinger, 22.7.2015)

  • Lacrosse ist in Österreich noch nicht weit verbreitet. Etwa 300 Spieler und Spielerinnen gibt es landesweit.
    foto: richard hauer senior

    Lacrosse ist in Österreich noch nicht weit verbreitet. Etwa 300 Spieler und Spielerinnen gibt es landesweit.

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