Regionalflughäfen fehlen Passagiere

22. Juli 2015, 05:30
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Studie: Salzburg und Innsbruck sind trotz schwierigen Umfelds top, Linz und Klagenfurt bleiben Sorgenkinder

Wien – Dass ausgerechnet die Bahn zur Gefahr für den Fortbestand von Regionalflughäfen werden könnte, hätte in Österreich noch vor wenigen Jahren kaum jemand gedacht. Seit der Railjet der ÖBB die Strecke Hauptbahnhof Linz – Flughafen Schwechat in einer Stunde 47 Minuten ohne Umsteigen schafft, ist das anders. Der Flughafen Linz hält sich seitdem im Wesentlichen nur dank des guten Frachtgeschäfts über Wasser.

"Der Flughafen Linz ist nicht das einzige Sorgenkind; ein weit größeres ist Klagenfurt", sagt Stefan Höffinger, geschäftsführender Gesellschafter der auf Strategieberatung spezialisierten Höffinger Solutions, dem STANDARD. "Bei Passagierzahlen unter 500.000 pro Jahr wird der Sauerstoff rar."

In einer Studie hat Höffinger Solutions alle fünf Regionalflughäfen Österreichs sowie ausgewählte Airports in Süddeutschland und der Schweiz analysiert. Dabei zeigte sich, dass das Passagieraufkommen in den vergangenen fünf Jahren bei so gut wie allen Airports gesunken ist.

Das wiederum spiegelt einen Trend wider, ausgelöst nicht zuletzt durch die schwere Krise, in die die Luftfahrt schon vor geraumer Zeit geschlittert ist: Durch Fokussierung auf große Hubs versuchen AUA, Lufthansa und andere Airlines Kosten zu sparen – zulasten der Regionalflughäfen.

Salzburg und Innsbruck halten Passagierzahlen

Während der Flughafen Graz von 2008 (Beginn der Finanzkrisse nach der Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers) bis 2014 zwei Prozent an Passagieren eingebüßt hat, jener von Linz fünf und Klagenfurt neun Prozent (auf 220.000 Passagiere), konnten Salzburg und Innsbruck ihre Passagierzahlen halten. Salzburg ist es 2014 als einzigem Regionalflughafen Österreichs sogar gelungen, die Passagierzahlen zu steigern.

So unterschiedlich auch die Passagier-, Umsatz- und Ergebniszahlen der Flughäfen Salzburg und Klagenfurt sind, die Ausgangslage beider Airports ist so unterschiedlich nicht. "Die Quellmärkte sind etwa vergleichbar", sagt Höffinger. "538.000 Salzburger stehen 560.000 Kärntnern gegenüber. Obwohl der Flughafen Salzburg mit München einen starken Mitbewerber in unmittelbarer Nähe hat, konnte Salzburg im Vorjahr fast neunmal so viele Passagiere abfertigen wie Klagenfurt."

Um das Ruder herumzureißen, sei es notwendig, offensiv in neue Märkte zu gehen. Vor dem Hintergrund der Budgetnöte des Landes und des Verbots von Subventionen ab 2024 ist es aber alles andere als ausgemacht, dass Kärnten dies mit Klagenfurt gelingt.

Petra Nocker-Schwarzenbacher, Bundesobfrau Tourismus in der Wirtschaftskammer Österreich, jedenfalls hofft, dass alle Regionalflughäfen erhalten werden können. "Das ist immens wichtig für die Tourismuswirtschaft. Destinationen abseits gut funktionierender Flughäfen haben jetzt schon Probleme, internationale Gäste anzulocken", sagt Nocker-Schwarzenbacher. (Günther Strobl, 22.7.2015)

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