Warnung vor Rückkehr: Region um Fukushima immer noch stark verstrahlt

21. Juli 2015, 16:20
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Umweltorganisation Greenpeace kritisiert die Pläne der japanischen Regierung, Evakuierungsbefehle aufzuheben

Fukushima – Mehr als vier Jahre nach der Nuklearkatastrophe im japanischen Kernkraftwerk Fukushima Daiichi ist die Region um die Anlage immer noch stark verstrahlt. Wie die Umweltorganisation Greenpeace am Dienstag bekannt gab, sei der 30 Kilometer von Fukushima entfernte Bezirk Iitate wegen der radioaktiven Verseuchung nach wie vor praktisch unbewohnbar. Auch im Pazifik und seinen Anrainerstaaten sind die Folgen des Atomunfalls weiterhin zu spüren: Bis an die kanadischen Küsten gelangten Radionuklide aus Fukishima, wie ein marines Monitoringprogramm nachweist.

Trotz der weiterhin hohen radioaktiven Belastung will die Regierung in Tokio die Evakuierungsbefehle für viele von der Katastrophe betroffene Gebiete bis März 2017 aufheben. Da damit die Kompensationszahlungen wegfielen, wären viele Opfer gezwungen, in ihre alten Häuser zurückzukehren, kritisierte nun Greenpeace die Pläne der Behörden.

Die japanische Regierung hat in den vergangenen Jahren in einer beispiellosen Säuberungsaktion versucht, die Region um Fukushima zu dekontaminieren. Dieser Versuch sei "gescheitert", berichtet Greenpeace auf der Basis eigener Messungen. So habe man mit einem Forscherteam auf dekontaminierten Feldern in der Region Iitate Werte gemessen, die einer jährlichen Dosis von mehr als zehn Millisievert entsprächen.

"Das ist das Zehnfache des international zulässigen Grenzwerts", erklärte Atomexperte Heinz Smital. Bei Regen würden erneut große Mengen an Radioaktivität aus den Wäldern und von den Hügeln Iitates auf die Felder und Wiesen der Region gespült.

Radioaktive Stoffe auf Weltreise

Die Folgen der Katastrophe lassen sich auch zehntausende Kilometer weiter östlich noch nachweisen, wenn auch weitaus nicht in diesem Ausmaß: Nach der Explosion mehrerer Reaktorgebäude von Fukushima Daiichi gelangten im Jahr 2011 große Mengen radioaktiver Stoffe ins Meer, großräumig über die Atmosphäre sowie direkt durch die Versuche, die Reaktoren mit Meereswasser zu kühlen. Seither beobachtet ein marines Monitoringprogramm die Konzentration an radioaktiven Substanzen im Meer. Aufgrund ihrer langen Halbwertszeit und ihrer freigesetzten Aktivitätsmenge sind dafür langfristig nur zwei Isotope von Cäsium von Bedeutung, kurzfristig jedoch auch eines von Iod, das sich in Algen sammelt.

In den ersten Monaten nach dem Unfall waren die Konzentrationen der Isotope im Meerwasser um das Kernkraftwerk mit bis zu 105 Becquerel pro Liter sehr hoch. Weil immer weniger dieser Radionuklide ins Meer gelangten und dort stark verdünnt wurden, sanken die Messwerte in den folgenden Monaten. Durch diesen Verdünnungseffekt ist in den nächsten Jahren selbst in der Nähe der japanischen Küste nicht damit zu rechnen, dass Radionuklide aus Fukushima die Gesundheit gefährden. Der Verzehr von Fischen und Meerestieren aus dem Pazifik sollte daher unbedenklich sein.

Ein ungelöstes Problem ist jedoch die Entsorgung des kontaminierten Grund- und Reaktorkühlwassers, das seit dem Unfall in großen Tanks lagert. Immer wieder auftretende Leckagen sprechen auf lange Sicht dafür, das Wasser zu dekontaminieren und ins Meer einzuleiten. Allerdings lassen sich mit derzeitigen Mitteln nicht alle Radionuklide entfernen. (APA, red, 21.7.2015)

  • Die Aufnahme zeigt kontaminierte Erde, die zur Abholung am Rand einer Straße in einer evakuierten Gemeinde unweit des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi bereit liegt. Bereits in zwei Jahren sollen nach Regierungsplänen Menschen wieder in die Region zurückkehren können. Greenpeace hält dies für unverantwortlich.
    foto: apa/epa/everett kennedy brown

    Die Aufnahme zeigt kontaminierte Erde, die zur Abholung am Rand einer Straße in einer evakuierten Gemeinde unweit des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi bereit liegt. Bereits in zwei Jahren sollen nach Regierungsplänen Menschen wieder in die Region zurückkehren können. Greenpeace hält dies für unverantwortlich.

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