Kerry über neue Aussagen aus Teheran "beunruhigt"

21. Juli 2015, 16:06
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Ayatollah Ali Khamenei, religiöser Führer, forderte Fortsetzung des Kampfes gegen "arrogante USA"

Teheran/Washington/Paris – Der in Wien erreichte Atomdeal hat nicht unbedingt dazu beigetragen, dass das Land nun seine Rhetorik gegenüber dem (westlichen) Ausland entschärft. In Reaktion auf jüngste Äußerungen des obersten religiösen Führers des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, das Abkommen werde nichts an Teherans "Politik gegenüber den arroganten USA" ändern, sagte US-Außenminister John Kerry am Dienstag in einem Interview mit dem Nachrichtensender Al-Arabiya: "Ich weiß nicht, wie ich es zu diesem Zeitpunkt auslegen soll, außer es für bare Münze zu nehmen, dass dies seine Haltung ist." Die Worte Khameneis seien für ihn "sehr beunruhigend".

Zarif: Niederlage für Israel

Am Dienstag sagte der iranische Außenminister Mohammad Javad Zarif im Rahmen einer Rede vor dem Parlament seines Landes, die Einigung mit dem Westen sei eine große Niederlage für Israel: "Nie zuvor war das zionistische Regime dermaßen isoliert, sogar innerhalb der eigenen Verbündeten."

Damit meinte der iranische Topdiplomat vor allem die USA. Das Verhältnis des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanjahu zu US-Präsident Barack Obama ist massiv belastet, seit der wahlkämpfende israelische Politiker auf Einladung der Republikaner im US-Kongress vor einem Deal mit Teheran warnte.

Diese vermeintliche Isolation ist für Zarif auch der Grund, warum der israelische Regierungschef so wütend sei, "überall herumschreit" und um jeden Preis die Umsetzung dieses Abkommens verhindern wolle. "Mit dieser Einigung ist nun endgültig auch die jahrzehntelange Anti-Iran-Propaganda des zionistischen Regimes neutralisiert", sagte der Minister, der persönlich bei den Verhandlungen in Wien – und zuvor in Genf, Lausanne und New York – verhandelt hatte.

Der jüngst in Wien erzielte Kompromiss soll dem Iran die Nutzung der Atomkraft für friedliche Zwecke ermöglichen, den Weg zur Atombombe aber verbauen. Im Gegenzug sollen die internationalen Sanktionen schrittweise aufgehoben werden.

Westliche Interessen

Wie um das Commitment des Westens zu bekräftigen, plant der französische Außenminister Laurent Fabius bereits kommende Woche einen Besuch im Iran. Dort wolle er unter anderem Präsident Hassan Rohani treffen, sagte Fabius am Dienstag dem Sender France Inter. "Ich finde es absolut normal, dass Frankreich und der Iran nach dieser historischen Vereinbarung wieder normalere Beziehungen führen können", sagte Fabius, der sich in diesem Zusammenhang als "politisch Verantwortlicher" bezeichnete, der ohne Unternehmer nach Teheran reise.

Berlin setzt hingegen bereits offen auf den Abschluss von Geschäften: Am Sonntag ist Vizekanzler Sigmar Gabriel mit einer Wirtschaftsdelegation in den Iran gereist. Wie die Deutschen hoffen auch viele andere ausländische Unternehmen auf gute Geschäfte mit Teheran, unter anderem im Erdölsektor. (Reuters, dpa, AFP, 21.7.2015))

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