Mit dem Chef gleichzeitig auf Urlaub gehen

23. Juli 2015, 13:49
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Hinter uns die Sintflut

foto: apa / rainer jensen

Pro
von Sigi Lützow

Ist das Katzentier aus dem Haus, tanzen die Mäuse. Also nimmt das kluge Katzentier die Mäuse mit außer Haus. Wer keine andere Wahl hat, als zum Beispiel mit der Chefin von daheim gleichzeitig zu urlauben, braucht sich die Vorteile der Ungleichzeitigkeit gar nicht erst auszumalen.

Aber auch beruflich ist es nur vordergründig reizvoll, seinen Urlaub so zu timen, dass man die Chefitäten möglichst wenig zu Gesicht bekommt. Und zwar weil die Mäuse, diese liederlichen Dinger – eh schon wissen – zu tanzen pflegen, wenn das Katzentier aus dem Haus ist.

Laissez-faire ist nur super, wenn es um nichts geht. Brechen am Arbeitsplatz mangels Aufsicht, ordnender Hand und milder Drohung chaotische Zustände aus, ist das zunächst vielleicht lustig, im Endeffekt aber sicher mit besonders großen Anstrengungen verbunden.

Kollegialität ist ein zartes Pflänzchen, das nur im strahlenden Licht der Chefin, des Chefs sehr gut gedeiht. Deshalb immer checken, zu welcher Zeit es nicht scheint, das Licht. Denn dann ist auch des eigenen Bleibens nicht länger. Und hinter uns die Sintflut.

Kontra
von Karin Tzschentke

Mit dem (Ressort-)Chef auf Urlaub gehen, das könnte ich mir gut vorstellen. Meiner ist nämlich ein ganz netter. Sportlich obendrein und für einen Spaß zu haben. Doch er fährt mit Frau und Kind. Und das wäre dann doch eine blöde Optik, würde ich mich anhängen.

Also bleibe ich da. Auch weil es immer recht spannend ist zu beobachten, was im Team so abgeht ohne ihn. Laissez-faire? Denkste! Sein Sessel in der Ecke steht wie eine mahnende Ermunterung im Raum. "Leute, ich verlass mich auf euch."

Meist dauert es ein paar Tage, bis sich eine neue Rudelhierarchie herausgebildet, ein neues Leittier etabliert hat. Ohne Hilfssheriff geht es nicht. Selbst die selbstständigsten Journalisten wollen sich nicht über alles Gedanken machen, schon gar nicht über Kleinkram. Geschweige denn Entscheidungen über Dinge treffen, die einem von anderen so ausgelegt werden können – oder gar so!

Schließlich käme man auch um den Genuss, ihm nach dem Urlaub stante pede mit allen möglichen Kinkerlitzchen so richtig auf die erst entspannten Nerven zu gehen. (Rondo, 24.7.2015)

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