Ein Schulden-Swap kann Griechenland am besten helfen

Blog22. Juli 2015, 05:30
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Wie einst in Lateinamerika sollten Kredite mit einem Abschlag in Investitionen umgewandelt werden

Eine Konsequenz der lateinamerikanischen Schuldenkrise der 1980er-Jahre war die Erfindung der sogenannten Debt-Equity-Swaps. Auslandsinvestoren kauften den Gläubigern mit einem Abschlag Dollarschulden eines Krisenstaates ab, konvertierten diese in die Landeswährung und investierten das Geld.

Die Schulden sanken zwar nur wenig, aber die frischen Investitionen brachten neues Wachstum und reduzierten auf diese Weise die Schuldenlast signifikant.

Naturschutz statt Schulden

In einer Debt-for-Nature-Swap genannten Abwandlung kauften Umweltorganisationen die Schulden; für deren Stornierung wurden von Abholzung bedrohte Gebiete unter Naturschutz gestellt.

Auch viele Unternehmenssanierungen funktionieren nach diesem Prinzip: Der Gläubiger verzichtet auf Schulden und erhält dafür Eigenkapital.

Das Land braucht Investoren

Solche innovativen Finanzmodelle würden auch Griechenland helfen, wirtschaftlich auf die Beine zu kommen. Denn mehr als einen Schuldenschnitt, der rechtlich und politisch problematisch ist, braucht das Land Investitionen.

Ein Marshallplan – also frische staatliche Gelder im großen Ausmaß – würde im griechischen Apparat versickern. Das Beste wäre, wenn ausländische Investoren auf den Geschmack kämen, ihr Geld in Griechenland anzulegen – und nicht nur in Inseln wie angeblich der US-Milliardär Warren Buffett.

Barry Eichengreens Swap-Plan

Schon vor mehr als einem Jahr hat der bekannte kalifornische Ökonom Barry Eichengreen mit zwei Kollegen einen solchen Swap-Plan vorgeschlagen. Investoren sollten dem ESM oder der EZB Kredite und Anleihen mit einem Nominalwert von 1000 Euro um 500 Euro abkaufen.

Der Investor kann dann mit diesem Papier Vermögenswerte des griechischen Staates um 750 Euro aus dem nun geplanten Privatisierungsfonds erwerben. Der Rabatt sollte auch das Interesse von Käufern an griechischen Privatisierungen wecken und so die Preise in die Höhe treiben.

Sowohl Griechenland als auch der Investor würden profitieren, und das Abtragen des Schuldenbergs wäre auch gut für die Gläubiger.

Anreize für frische Investitionen

Noch besser wäre es, wenn ein solcher Swap nicht nur Käufer bestehender Assets, sondern echte Neuinvestoren anlocken würde. Das könnte folgendermaßen geschehen: Der Investor erwirbt die 1.000-Euro-Anleihe um 500 Euro und löst sie für diesen Betrag bei der griechischen Regierung unter der Auflage ein, dass das Geld im Land investiert wird.

Der Investor erhält ein weiteres Guthaben von 250 Euro für zukünftige Steuerzahlungen, Sozialversicherungsabgaben oder andere staatliche Leistungen.

Ein akzeptabler Schuldenschnitt

Das wäre ein begrenzter Schuldenschnitt, der das Wachstum direkt ankurbelt und deshalb auch von den Steuerzahlern in Deutschland und anderen Gläubigerstaaten eher akzeptiert werden kann. Und Griechenland würde sofort profitieren und nicht in ferner Zukunft.

Griechenland war zwar auch das Opfer von zu viel finanzieller Kreativität. Aber nun kann sie dazu dienen, die Fehler von früher wiedergutzumachen. (Eric Frey, 22.7.2015)

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