Wie Spotify die perfekte Playlist finden will

21. Juli 2015, 12:53
17 Postings

Streaming-Anbieter rittern um beste Empfehlungen – Musik für Momente rückt in den Vordergrund

Exklusiv-Deals, die Größe der Musikdatenbank, einfach verwendbare Apps und Streaming auf mehreren Geräten – es gibt viele Aspekte, bei denen Musikstreaming-Plattformen miteinander konkurrieren. Doch das meiste wird mittlerweile von der Kundschaft vorausgesetzt. Ein großer Katalog und die üblichen Features sind mittlerweile zu wenig, um herauszustechen.

Mit einem neuen Feature namens "Discover Weekly" will Branchenpionier Spotify daher vorlegen. Aus dem riesigen Musiksortiment soll, so schreibt Wired, für die Nutzer der "Soundtrack ihres Lebens" werden.

Empfehlungsmaschine

Es geht um Entdeckung. Statt den Nutzer in eine Echokammer seines eigenen Geschmacks zu setzen und ihn ständig mit seinen Lieblingsinterpreten zu beschallen, soll die neue Funktion ihn regelmäßig neue Sänger und Bands entdecken lassen, die seinem Geschmack entsprechen. Und das scheint, so der Ersteindruck von Wired-Redakteur Davied Pierce, schon gar nicht so schlecht zu funktionieren.

Wo Pandora mit "Music Genome" Songs in ihre Einzelteile zerlegt und analysiert, um eine interessante Playlist zu errechnen und Apple Music mit einem Mix an kuratierten Channels und einer eigenen Entdeckungsplattform (Connect) punkten will, kombiniert auch Spotify künstliche Intelligenz mit menschlichem Input.

Dazu gehören etwa Playlisten, die einem bestimmten Thema zugeordnet sind. Zu den populärsten gehört mit 1,2 Millionen Abonennten jene mit dem Namen "Dein liebstes Kaffeehaus". Hier werden oft Lieder mit aufmunternden Texten und freunlichen Gitarrenklängen gespielt.

Musik für Momente

Verantwortlich für sie ist Spotifys Programmchef Doug Ford. Er sieht die Liste ebenfalls als Werkzeug zur Entdeckung neuer Interpreten und Lieder, nicht als Mittel um sich selbst bekannt zu machen. "Es sollte um die Musik gehen, nicht um den DJ", meint er. Die Playlist soll das Gefühl erwecken, das man verspürt, wenn man gemütlich in einem Lokal sitzt, ein Buch liest und dabei an seinem Kaffee nippt.

Dabei finden sich in der Sammlung nicht nur die üblichen Verdächtigen aus dem Singer-Songwriter-Millieu, sondern bewusst auch zahlreichere unbekannte Interpreten und kaum gehörte Lieder, die einst mal auf der B-Seite eines Releases waren oder überhaupt nie für die breite Masse veröffentlicht wurden.

Trüffelschwein

Bei der Zusammenstellung ließ er sich von einem internen Werkzeug namens "Trüffelschwein" unterstützen. Dieses kann man mit genaueren Vorstellungen für eine Songliste füttern. Etwa "Country-Klassiker mit hohem Akustik-Anteil und erhöhtem Tempo". In die vorgeschlagene Auswahl kann man anschließend hinein hören und die subjektiv besten Ergebnisse übernehmen.

Die Datenbank für diese Suche bildet ein anderes Werkzeug namens "Echo Nest", vom gleichnamigen Start-up, das von Spotify schon vor einiger Zeit übernommen worden war. Es tut nichts anderes, als neue Lieder nach dutzenden Kriterien einzuordnen – etwa wie erhebend ein Stück ist, welche Instrumente dominieren und ob der Text mehr gesprochen oder gesungen wird.

Daten entscheiden

Die Spotify-Redakteure, 32 Leute, die rund um die Welt verteilt sind, sehen die Reaktionen der Hörer in Echtzeit. Sie können beobachten, wie beliebt die einzelnen Lieder sind, welche besonders schnell übersprungen werden oder ob das Einstiegsllied als solches auch geeignet ist. Anhand dieser Daten sind sie damit befasst, die Listen stetig anzupassen und neue zu bauen.

Dabei verfolgt man auch Trends im Nutzerverhalten. Immer weniger User verwalten riesige Musiksammlungen und erstellen daraus ewig lange Playlists. Viel mehr greifen sie heute zu kleineren Katalogen, die zu individuellen Gefühls- und Lebenslagen passen. Dementsprechend verliert der generelle Musikgeschmack der Kundschaft an Relevanz und man versucht das Erlebnis darauf zu tunen, was gerade in diesem Augenblick gefragt sein könnte. Also etwa Musik, um in den Tag zu starten, fürs Laufen oder zum Einschlafen.

Geschmacksprofil

Die passende Lösung dazu soll "Moments" liefern. Spotify versucht dafür, mehr Daten zu sammeln und in Kontext zu setzen. Erkennt das System etwa, dass ein Nutzer gerne um sieben Uhr morgens Laufen geht, soll es künftig entsprechende Empfehlungen anzeigen.

Verfeinert werden diese laufend anhand des "Taste Profiles", einem intern hinterlegten Benutzerprofil, das die Vorlieben des einzelnen Users detailliert aufdröselt. Beim neuen "Discovery Weekly" hilft es dabei, dem User jede Woche ein bis zwei Dutzend neue Songs näher zu bringen.

Blindes Vertrauen

Das Rennen ist also eröffnet. Spotify rittert mit Apple, Google Play Music, Deezer, Pandora und Co. darum, nicht nur eine breite Musikauiswahl, sondern stets treffsichere Empfehlungen zu liefern. Es geht darum, die erste App zu sein, der man beim Antippen des "Play-Buttons" blind vertraut. (gpi, 21.07.2015)

  • Der generelle Musikgeschmack eines Nutzers ist nicht mehr so bedeutend – viele Menschen bauen sich heute kleine Sammlungen für bestimmte Launen und Momente.

    Der generelle Musikgeschmack eines Nutzers ist nicht mehr so bedeutend – viele Menschen bauen sich heute kleine Sammlungen für bestimmte Launen und Momente.

Share if you care.