Ursache für gefährliches Ödem geklärt

21. Juli 2015, 13:27
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Laut Forschern sind Hereditäre Angioödeme vom Typ 3 die Folge einer Punktmutation in einem Gen für ein Eiweiß der Blutgerinnung

Wie Wissenschaftler in der Fachzeitschrift "Journal of Clinical Investigation" berichten, konnten sie in Modellen den molekularen Mechanismus einer gefährlichen Schwellungserkrankung aufklären: "Wir haben herausgefunden, dass Hereditäre Angioödeme vom Typ 3 die Folge einer Punktmutation in einem Gen für ein Eiweiß der Blutgerinnung, den Faktor XII, ist", sagt Thomas Renné, Leiter des Instituts für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE).

Dadurch fehle diesem Protein an einer einzigen Stelle ein wichtiger Baustein: die Aminosäure Threonin. Diese ist jedoch der Anheftungspunkt für eine Zuckerstruktur (Glykan), welche normalerweise die Oberfläche des Blutgerinnungsfaktors bedeckt.

Weil sich das Glykan nicht mit dem Protein verbinden kann, ändere sich die gesamte Molekülstruktur des Faktors. "Dadurch ist der mutierte Faktor hundert- bis tausendfach leichter aktivierbar als normalerweise." Die Folge: Bradykinin, das Hormon, das die zur Entstehung einer Schwellung notwendigen Abläufe einleitet, wird im Übermaß gebildet.

Auf den Gerinnungsfaktor kommt es an

Die Entdeckung, dass Hereditäre Angioödeme vom Typ 3 Folge des fehlerhaften Gerinnungsfaktors XII sind, öffnet nach Ansicht von Renné die Tür für eine mögliche neue Therapie: Bereits im vergangenen Jahr hatte eine von ihm geleitete Arbeitsgruppe zeigen können, dass der Faktor XII entscheidend an der Bildung von Blutgerinnseln (Thrombosen) beteiligt ist.

Die Wissenschaftler konnten mit dem "3F7" bezeichneten Antikörper auch erstmals einen Wirkstoff herstellen, der den Gerinnungsfaktor XII blockiert und so Blutgerinnsel verhindert, ohne dabei die Blutungsneigung zu erhöhen.

"Nun zeigte sich: Mit derselben Therapie kann man zukünftig auch Hereditäre Angioödeme und möglicherweise andere Schwellungserkrankungen behandeln", so der UKE-Forscher. Eine erste klinische Prüfung des neuen Therapieprinzips ist innerhalb der nächsten zwei Jahre geplant. (red, 21.7.2015)

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