Bilanzskandal: Weiteres Köpferollen bei Toshiba

21. Juli 2015, 07:27
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Der Bilanzskandal beim japanischen Technologiekonzern Toshiba sorgt für ein Beben im Top-Management

Minato/Tokio – Ein spektakulärer Bilanzskandal beim japanischen Mischkonzern Toshiba zieht personelle Konsequenzen nach sich. Der frühere Präsident, Norio Sasaki, tritt als Vize-Vorsitzender aus dem Vorstand zurück. Auch werde er seine Ämter in Regierungsausschüssen niederlegen, wie der Minister für Wirtschafts- und Fiskalpolitik, Akira Amari, am Dienstag bekannt gab.

Der Skandal sorgt für ein Beben im Top-Management. Auch Konzernchef und Präsident Hisao Tanaka tritt am Dienstag zurück, teilte Toshiba mit. Eine externe Prüfung hatte zuvor ergeben, dass Tanaka von den über Jahren falschen Zahlen in den Büchern Kenntnis gehabt habe. Auch sein Vorgänger und Vize-Verwaltungsratschef Norio Sasaki sowie Berater Atsutoshi Nishida würden ihren Hut nehmen. Auch sie haben nach Angaben von Toshiba eine Rolle bei den gefälschten Zahlen gespielt. Ersetzt werde Tanaka am Mittwoch durch Verwaltungsratschef Masashi Muromachi. Der Konzern, der vor allem für seine Laptops bekannt ist, aber auch Atomkraftwerke baut, denkt zudem darüber nach, mehr als die Hälfte des Direktoriums mit externen Managern zu besetzen.

Zu hohe Gewinne

Der größte japanische Bilanzskandal seit Jahren kam im April ans Licht. Eine Prüfung durch externe Gutachter ergab, dass Toshiba mit Wissen der Firmenspitze systematisch zu hohe Gewinne angegeben und dabei vorsätzlich gehandelt hat. Insgesamt gehe es um eine Summe von operativ gut 1,1 Milliarden Euro, die seit 2008 zu hoch ausgewiesen worden sei, so die Experten am Montag. Toshiba hatte zunächst nur von 50 Milliarden Yen (370 Millionen Euro) gesprochen.

Die Gutachter sehen in einer Führungskultur, die keinen Widerspruch duldet, den Grund für den Bilanzskandal. Um die von der Führungsspitze vorgegebenen Gewinnziele zu erreichen, hätten die Toshiba-Mitarbeiter die Bilanzen frisiert. Der Skandal wirft ein Schlaglicht auf die von der Regierung unterstützten Bemühungen, das Management japanischer Unternehmen zu verbessern, um weltweit Investoren anzulocken. Finanzminister Taro Aso bezeichnete die Bilanzfälschung am Dienstag daher als "sehr bedauerlich". "Wenn es Japan nicht gelingt, angemessene Grundsätze der Unternehmensführung umzusetzen, dann kann es das Vertrauen der Märkte verlieren." Ob Toshiba nun mit finanziellen Strafen zu rechnen habe, wollte er nicht sagen.

An der Börse legten die Toshiba-Aktien am Dienstag sechs Prozent zu. Die schlechten Nachrichten seien nun raus, erklärte Takatoshi Itoshima, Portfoliomanager bei Commons Asset Management. Allerdings liegt der Kurs der Aktie noch rund 23 Prozent unter dem Wert vor Bekanntwerden des Skandals. (APA, 21.7.2015)

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